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Historische Goldgewinnung in Oberbayern

Historische Quellen belegen diverse Versuchsbaue auf Gold im oberbayerischen Anteil der Alpen. Beispielhaft seien aufgezählt, das "Goldloch am Kienberg" bei Ruhpolding (1850-1857), ein Pyritabbau um 1510 in den Kalken des Schlierseewinkels, und das "Goldloch" oberhalb Mittenwald. Alle diese Versuche waren erfolglos oder gar bewusste Betrügereien um an Investorengelder zu kommen. Bereits der Begründer der bayerischen Geologie Mathias von Flurl (1756-1823) erkannte, dass es im bayerischen Anteil der Alpen keine Primärgoldvorkommen gibt. Diese Erkenntnis hat auch heute noch Gültigkeit.

Demgegenüber gibt es in Oberbayern verschiedene Sekundärgoldvorkommen - sogenannte Goldseifen. Als Goldseifen bezeichnet man Goldanreicherungen, die sich in Flussbetten z.B. nach Hochwässern am Kopf von Sandbänken bildeten. Diese Goldseifen waren zeitweise auch Gegenstand intensiver Goldwäschen. Möglicherweise waren bereits die Kelten die ersten Goldwäscher in Bayern. Die inneralpinen Goldvorkommen der Tauern waren ihnen bekannt. Keltische Goldgewinnung ist aus Oberbayern archäologisch jedoch bisher nicht nachgewiesen.

Aus verschiedenen Archiven lässt sich die Goldgewinnung an Inn, Isar und Donau ab dem 15. Jahrhundert belegenn. Sie ist eng mit der Landsgeschichte verbunden, denn die bayerischen Herrscher waren sehr an der Goldgewinnung interessiert. Sie erteilten Goldwaschpatente. Das gewonnene Gold musste aber gegen Bezahlung an der "Münze" in München abgeliefert werden.

Mit der zunehmenden Begradigung der Flüsse wurde Mitte des 19. Jahrhunderts das ursprüngliche goldhaltige Flusssediment abgetragen. Außerdem erreichten die Flüsse nicht mehr ihre ursprüngliche Breite. Dies hatte zur Folge, dass die letzte Waschgoldlieferung an die "Münze" in München im Jahre 1879 erfolgte. Alle späteren Versuche der Goldgewinnung blieben auch aufgrund des Goldpreisverfalls sowie der erheblichen Verteuerung der Arbeitszeit wirtschaftlich erfolglos.

Die Herkunft des Goldes ist im Bereich der Hohen Tauern und des Zillertales. Bereits während der Auffaltung der Zentralalpen unterlagen diese mit ihren goldführenden Schichten der Erosion. Diese Erosion ist Ursache dafür, dass die Molasse, vor allem in den Flusssedimenten der sogenannten obersten Süßwassermolasse bereits Goldseifen enthält. Zusätzlich haben auch die Inntal- Saalach- und Salzachgletscher, die ihre Nährgebiete in den goldhaltigen Zentralalpen hatten, Goldpartikel ins benachbarte Oberbayern verfrachtet.

Gold heute: Eine Arbeitsgruppe der Münchener Mineralienfreunde e.V. konnte in den Jahren 1999 - 2001 im Rahmen einer nahezu flächendeckenden Schwermineralbeprobung oberbayerischer Schottervorkommen nachweisen, dass das Gold auch heute noch vorhanden ist. Insbesondere in den Landkreisen Neuburg/Donau, Ingolstadt, Dachau, Freising, München, Rosenheim, Traunstein, und Berchtesgadener Land wurde man fündig. In den westlicheren Landkreisen Oberbayerns wurden die goldhaltigen Schichten der oberen Süßwassermolasse während der Würmeiszeit durch goldfreie Schotter der Ötztaler Berge sowie der Kalkalpen überschoben. Hierin liegt wohl der Grund, warum hier fast kein Gold nachgewiesen werden konnte. Im Rahmem dieser Beprobungen wurden in den Flussschottern an Isar, Inn und Donau im wesentlichen "Goldflinserl" mit einer Größe unter 0,1 mm nachgewiesen . Im Bereich von Gletscherablagerungen (Schottermoränen und glaziale Senken) fanden sich neben der üblichen "Flinserl" auch Goldbleche bis 7mm Größe.

Rainer Timm

P.S.: Der Hinweis "Ehemaliges Goldbergwerk " auf topografischen Karten im Bereich der Königsbergalm am Jenner bezieht sich auf ein ehemaliges Blei- Zinkbergwerku.

Literatur: Flurl, M. (1792): Beschreibung der Gebirge von Baiern und der oberen Pfalz Färbinger, Gustl (1991): "Das Goldloch am Kienberg - Ein Denkmal der Zeitgeschichte" , Chiemgau-Blätter, Nr 13. vom 13.03.1991 Lehrberger Gerhard (1996) "Goldlagerstätten und histor. Goldbergbau in Bayern", Gold im Herzen Europas, Schrift

Last Update: 18.09.2005
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