Alte Postkarten der Knappenhäuser; Sammlung: H. Schuster
Geologie/Mineralogie:
Das Bergwerk baute auf Blei- und Molybdänerze im oberen Wettersteinkalk (zur
Genese vgl. Riedbodeneck).
Die Lagerstätte zeichnete sich durch den besonderen Reichtum an Wulfenit
aus, der derb in massiven Anreicherungen, aber auch in tafeligen Kristallen
von ca. 1 cm Kantenlänge vorkam.
Weitere Mineralien: Galenit (Bleiglanz), Sphalerit (Zinkblende), Cerussit
und Galmei (Hydrozinkit) .
Lage/Geschichte:
Im Höllental bei Garmisch im Umgebungsbereich der "Knappenhäuser"(1525 m
Seehöhe) am Wanderweg vom Kreuzeck zur Höllentalangerhütte befinden sich die
Reste der alten Grube, die sich bis zum Grund der Höllentalklamm mit den
Resten eines E-Werks und Zugangsstollen erstrecken. Die hochalpine, äußerst
entlegene Lagerstätte wurde im 19. Jh. auf Bleierze und Anfang des 20. Jh. auf
Wulfenit, ein Blei/Molybdänerz, beschürft und abgebaut. Im Ersten Weltkrieg
zeigte sich, dass im Deutschen Reich vollkommen unzulängliche Vorräte an
kriegsentscheidenden Rohstoffen, wie dem "Stahlveredler" Molybdän, vorhanden
waren. Der Bergbau wurde Anfang 1916 unter militärische Kontrolle und ab
Oktober 1916 unter militärische Verwaltung gestellt. Unter erheblichem Aufwand
wurde die Grube ausgebaut, eine Seilbahn nach Grainau und ein
Elektrizitätswerk am Ende der Höllentalklamm errichtet und 28000 t Haufwerk
gefördert. Daraus wurden 187 t Gelbbleierz (Wulfenit) mit einem
Molybdänanteil von 20 t gewonnen.
Nach Ende des Krieges war ein wirtschaftlicher Betrieb der unter
"Normalverhältnissen" ausgeerzten Grube nicht mehr möglich. Am 9. 03.1925
wurde das Bergwerk der Gewerkschaft Werdenfels mit den Knappenhäusern
zwangsversteigert.
Fundmöglichkeiten:
Durch den intensiven Kriegsbetrieb wurde alles sichtbare Erz abgebaut.
Fundmöglichkeiten bestehen -wenn überhaupt- nur für unscheinbare Belege (z.B.
Sphalerit). Halden sind im steilen Grubengelände nicht mehr vorhanden. Der
Ausbissbereich ist mit Müll verfüllt.
Gefahren:
Der Bergbau befindet sich im hochalpinen Gelände oberhalb der
Höllentalklamm. In diesem Bereich kam es -auch auf den Wegen ! - in den
letzen Jahren immer wieder zu tödlichen Unfällen, weil die Gefahren des von
der Bergstation der Kreuzeckbahn leicht erreichbaren Bereiches immer wieder
unterschätzt werden.
Die vor etwa 20 Jahren teilweise noch zugänglichen Stollen sind mittlerweile
verstürzt. Der Bergbau ging im Bereich einer Störungszone um. Die Grube war
bereits um 1950 höhlenartig verstürzt. Die Holzeinbauten sind weitgehend
verrottet. Es kann nur dringlich davon abgeraten werden den Versuch zu
unternehmen, die Stollen zu befahren. Erzreste können ohnehin nicht
beleuchtet werden. Belegstücke der Blei-/Zinkvererzungen können leichter und
gefahrloser auf den Halden des Bergbaus Lafatsch (siehe Riedbodeneck) oder auch
der alten Bergbauhalden in der Umgebung von Nassereith gefunden werden.
Einen Eindruck der Bergbautätigkeit kann jeder Besucher der Höllentalklamm
mit nach Hause nehmen.
Die in der Klamm angelegten Stollen sind vergleichbar mit den alten
Suchstollen im alpinen Bleibergbau. Die Reste des Elektrizitätswerkes und
auch das Mundloch des verfallenen Aufbruches von der Klamm zum
Unterbaustollen liegen direkt am Wanderweg durch die Höllentalklamm.
Literatur:
wie Riedbodeneck
Schwarz, Peter - Das Molybdänbergwerk Höllental 1907 - 1925, Deutsches
Museum, Abhandlungen und Berichte, Neue Folge, Band 9 1992. Ein für jeden
Bergbauinteressierten äußerst lohnenswertes Buch, das die Geschichte dieses
doch einmaligen Bergbaus beispielhaft abhandelt.
Last Update: 13.04.2003