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Das Blei- und Molybdänbergwerk im Höllental bei Garmisch

Das Blei- und Molybdänbergwerk im Höllental bei Garmisch [- 1923]
TK Nr. 8532 Garmisch-Partenkirchen
32 U 653908 UTM 5256295

Alte Postkarten der Knappenhäuser; Sammlung: H. Schuster

Geologie/Mineralogie:
Das Bergwerk baute auf Blei- und Molybdänerze im oberen Wettersteinkalk (zur Genese vgl. Riedbodeneck).
Die Lagerstätte zeichnete sich durch den besonderen Reichtum an Wulfenit aus, der derb in massiven Anreicherungen, aber auch in tafeligen Kristallen von ca. 1 cm Kantenlänge vorkam. Weitere Mineralien: Galenit (Bleiglanz), Sphalerit (Zinkblende), Cerussit und Galmei (Hydrozinkit) .

Lage/Geschichte:
Im Höllental bei Garmisch im Umgebungsbereich der "Knappenhäuser"(1525 m Seehöhe) am Wanderweg vom Kreuzeck zur Höllentalangerhütte befinden sich die Reste der alten Grube, die sich bis zum Grund der Höllentalklamm mit den Resten eines E-Werks und Zugangsstollen erstrecken. Die hochalpine, äußerst entlegene Lagerstätte wurde im 19. Jh. auf Bleierze und Anfang des 20. Jh. auf Wulfenit, ein Blei/Molybdänerz, beschürft und abgebaut. Im Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass im Deutschen Reich vollkommen unzulängliche Vorräte an kriegsentscheidenden Rohstoffen, wie dem "Stahlveredler" Molybdän, vorhanden waren. Der Bergbau wurde Anfang 1916 unter militärische Kontrolle und ab Oktober 1916 unter militärische Verwaltung gestellt. Unter erheblichem Aufwand wurde die Grube ausgebaut, eine Seilbahn nach Grainau und ein Elektrizitätswerk am Ende der Höllentalklamm errichtet und 28000 t Haufwerk gefördert. Daraus wurden 187 t Gelbbleierz (Wulfenit) mit einem Molybdänanteil von 20 t gewonnen.
Nach Ende des Krieges war ein wirtschaftlicher Betrieb der unter "Normalverhältnissen" ausgeerzten Grube nicht mehr möglich. Am 9. 03.1925 wurde das Bergwerk der Gewerkschaft Werdenfels mit den Knappenhäusern zwangsversteigert.

Fundmöglichkeiten:
Durch den intensiven Kriegsbetrieb wurde alles sichtbare Erz abgebaut. Fundmöglichkeiten bestehen -wenn überhaupt- nur für unscheinbare Belege (z.B. Sphalerit). Halden sind im steilen Grubengelände nicht mehr vorhanden. Der Ausbissbereich ist mit Müll verfüllt.

Gefahren:
Der Bergbau befindet sich im hochalpinen Gelände oberhalb der Höllentalklamm. In diesem Bereich kam es -auch auf den Wegen ! - in den letzen Jahren immer wieder zu tödlichen Unfällen, weil die Gefahren des von der Bergstation der Kreuzeckbahn leicht erreichbaren Bereiches immer wieder unterschätzt werden.
Die vor etwa 20 Jahren teilweise noch zugänglichen Stollen sind mittlerweile verstürzt. Der Bergbau ging im Bereich einer Störungszone um. Die Grube war bereits um 1950 höhlenartig verstürzt. Die Holzeinbauten sind weitgehend verrottet. Es kann nur dringlich davon abgeraten werden den Versuch zu unternehmen, die Stollen zu befahren. Erzreste können ohnehin nicht beleuchtet werden. Belegstücke der Blei-/Zinkvererzungen können leichter und gefahrloser auf den Halden des Bergbaus Lafatsch (siehe Riedbodeneck) oder auch der alten Bergbauhalden in der Umgebung von Nassereith gefunden werden. Einen Eindruck der Bergbautätigkeit kann jeder Besucher der Höllentalklamm mit nach Hause nehmen.
Die in der Klamm angelegten Stollen sind vergleichbar mit den alten Suchstollen im alpinen Bleibergbau. Die Reste des Elektrizitätswerkes und auch das Mundloch des verfallenen Aufbruches von der Klamm zum Unterbaustollen liegen direkt am Wanderweg durch die Höllentalklamm.

Literatur:
  • wie Riedbodeneck
  • Schwarz, Peter - Das Molybdänbergwerk Höllental 1907 - 1925, Deutsches Museum, Abhandlungen und Berichte, Neue Folge, Band 9 1992. Ein für jeden Bergbauinteressierten äußerst lohnenswertes Buch, das die Geschichte dieses doch einmaligen Bergbaus beispielhaft abhandelt.

    Last Update: 13.04.2003
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