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Steinbruch am Nordfuß der Hornburg, Schwangau (Allgäu)
(Erweiterung folgt. Hilfe, Bilder, sowie Beschreibungen sind jederzeit von Jedermann willkommen!)

Steinbruch am Nordfuß der Hornburg, Schwangau (Allgäu) [- ca. 1960]

TK Nr. 8430 Füssen
32 U 633086 UTM 5270395

Bildergalerie:
Hornburg am 28.12.2002
Steinbruch am
Nordfuss der Hornburg
am 28.12.2002
© Rainer Timm
Coelestin aus der Mienaralogischen Staatssammlung Münnchen
Coelestin von Steinbruch Hornburg
Sammlung:
Mineralogische Staatssammlung München
Foto: © Rainer Timm

 
 
 
 

 
 
 
 


Ehemaliger Betreiber:
J. Dobler GmbH & Co
Gutenbergstraße 8
87600 Kaufbeuren
Tel.: 08341 / 71-0

Anfahrt:
Die Bundesstraße 17 von Halblech nach Schwangau ca. 1,8 km östlich von (vor) Schwangau in südöstlicher Richtung verlassen (Hinweisschild "Outward-Bound Bildungszentrum"). Nach ca. 1,3 km beginnt am Parkplatz ein Fahrverbot. Nun den gesperrten Fahrweg zu Fuß weiter geradeaus verfolgen. Nach ca 400 m macht der Weg im Wald eine scharfe Kehre nach links. Die Steinbrüche erreicht man, wenn man knapp 100 m nach der Kehre den rechts abzweigenden, verfallenen Weg folgt. Alternativ kann man in der Kehre auch geradeaus den Bach verfolgen. Der untere (graue) Bruch beginnt ca. 100 m oberhalb der Kehre, rechts des Baches. Etwas oberhalb des unteren Bruches liegt links des Baches der obere (rote) Bruch.

Geschichte und Fundmöglichkeiten:
Etwa im Jahre 1939 stellte Hans Griesbeck, wohnhaft in Schwangau, in einem Schwangauer Bauernhaus eine Mauer mit Marmorfundament fest. Er interessierte sich über die Herkunft des Materials und wurde in den sogenannten Hammergraben - eine Gegend in der Nähe der ehemaligen Segelfliegerschule - verwiesen. Gemeinsam mit seinem Bruder Anton untersuchten sie die dort vorgefundenen Marmorfindlinge und analysierten ein qualitativ und farblich (rot) bestes Marmorvorkommen. Fortan planten sie einen Abbau des Materials. Einberufungen zur Wehrmacht verhinderten das Weitere. Während seiner Urlaubsaufenthalte forschte Griesbeck eifrig weiter und stellte eine über mehrere Kilometer lange rote Liasschicht (Marmorschicht) fest.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945, als Schwangau ungewöhnlich viele Heimatvertriebene, vor allem aus dem Sudetenland und Ostflüchtlinge aufnehmen musste, die Fürsorgelasten immens waren, wurde dem Marmorabbau und der Marmorverarbeitung erneut Augenmerk geschenkt. Die Gemeinde Schwangau verpachtete die entsprechenden Grundstücke sowie eine aus der NS-Zeit leerstehende Halle an Hans Griesbeck. Am 15. Mai 1946 erfolgte die Firmengründung

Schwangauer Marmorindustrie Hans Griesbeck u. Co., Schwangau/Schwaben.

Die notwendigen Fachkräfte stellten größtenteils Vertriebene aus dem Sudetenland. Etwa 20-30 Arbeiter schufen in der Hauptsache neben Werksteinen, Grabdenkmäler, Wandverkleidungen, Schreibtischgarnituren, Vasen, Aschenbecher und sonstige gewerbliche und kunstgewerbliche Marmorerzeugnisse.
Fehlendes Betriebskapital und Absatzmangel nach der Währungsreform (20.06.1948) brachten den Betrieb in Schwierigkeiten, so dass im Juli 1948 die Produktion eingestellt und die Arbeiter entlassen werden mussten. Die Abwicklung zog sich bis 1951 hin. Hans Griesbeck wanderte in die USA aus.

Auf dem Gelände der ehem. Schwangauer Marmorindustrie etablierten sich nun einige Jahre die Firma Franz Hackenberg bzw. die Firma Kieswerk GmbH Kaufbeuren (ein Zweigunternehmen der Fa. Dobler, Kaufbeuren).


Neben dem oberen Bruch (links des Baches), in dem die roten Liasschichten abgebaut wurden, begann zusätzlich der Abbau auf der rechten Seite des Baches. Hier stand grauer Kalkstein (Trias) an, der in zwei Etagen abgebaut wurde. Dieses Material wurde vor allem für den Bau des Lechstausees "Urspring" (1950 - 1954) verwendet.

Nach Fertigstellung des Stausees wurde der "Marmor" als "Terrazzo"-Material bis weit nach Norddeutschland verkauft. Abfallprodukte waren wie immer Straßenschotter und Streusplitt.
Etwa im Jahre 1960 wurde der Betrieb dann aufgegeben.

Ein "Zeitzeuge" ist im Jahre 2002 in der Firma Dobler nicht mehr vorhanden. Der ehemalige Betriebsleiter des Steinbruchs, Herr Reichart, ist bereits seit gut 10 Jahren in Rente. Er weiss nichts von Mineralienfunden oder derartigen Untersuchungen im Steinbruch. Lediglich an den Fund eines ca. 50 cm großen Ammoniten kann sich Herr Reichart erinnern. Der Steinbruch selber wurde nicht rekultiviert, er ist heute vollkommen zugewachsen.

Im Museum "Reich der Kristalle" in München finden sich einige Stücke mit Calcit und Coelestin aus diesen Steinbrüchen. Aufgrund der Beschaffenheit der Fundstücke ist davon auszugehen, dass sie aus dem Trias-Schichten stammen. Im Gelände sind alle herumliegenden Felsen mit einer dicken Moosschicht überwachsen.
Bedauerlicherweise kann der Finder, Herr Dr. Walter Müller aus Füssen, nicht mehr befragt werden, da er vor einigen Jahren verstarb. Wie von einem Verwandten zu erfahren war, hatte er sein Erbe der Kirche "vermacht". Eines Tages kamen einige Mönche und haben die Literatur abgeholt. Ansonsten wurde eine Firma beauftragt, die Walter Müller's Sammlung zerstörte. "Wissen sie, das war alles nur altes, wertloses "Klump".

Wir bedanken uns bei der Gemeinde Schwangau, dem Museum Reich der Kristalle München sowie allen anderen Personen, die uns beim Zusammentragen der Daten unterstützt haben.

Last Update: 23.04.2014
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