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Der Bergbau am Rauschberg bei Inzell

Ehemaliger Blei-Zinkerz-Bergbau am Rauschberg [-1826]
TK Nr. 8241 Ruhpolding
33 U 3308930 UTM 5290820 (ungenau)

Rauschberg am 16.11.2002 © Rainer Timm
Alte Alte Halde des Bergbaus am Kienberg
Alte Bergbauhalden am Rauschberg 16.11.2002 © Rainer Timm

Lage:
Am Nordabhang des Inzeller Kienberges (eines Teiles des Rauschberges) liegen drei alte Bergbaureviere auf Blei- und Zinkerze:

  • der Bereich Joseph- und Barbarastollen unter dem Gipfel des Zenokopfes,
  • das Ewiggangrevier mit Maria-Empfängnisstollen, Karlstollen, Lorenzstollen, Ewiggangbau, und Abrahamstollen unter dem Gipfel des Streicher
  • westlich davon der Strahleckerbau.

    Geologie/Geschichte:
    Die Lagerstätte am Rauschberg war die bedeutendste Blei/Zinklagerstätte im bayerischen Alpenraum. Sie wurde ab dem frühen 17. Jh. mit Unterbrechungen bis 1925 bebaut. Mathias Flurl, der "erste bayerische Geologe" beschäftigte sich eingehend mit ihr. Aus seiner Sammeltätigkeit sind im Geologischen Landesamt und in der Bayer. Staatssammlung für Mineralogie noch Erzproben und bemerkenswerte Calcitkristalle erhalten.

    Der Bergbau ging auf Blei/Zinkvererzungen des oberen Wettersteinkalks um (vgl. Riedbodeneck). Die Vererzungen waren vor allem an Störungszonen angereichert, die in zum Teil großen, über 30 m hohen Zechen abgebaut wurden. Die Vererzungen traten sehr unregelmäßig auf. Der Bergbaubetrieb kam wegen Erschöpfung der "sichtbaren " Erze immer wieder ins Stocken. In der letzten Periode wurde versucht in tieferen Bereichen auf eine Fortsetzung der Lagerstätte zu stoßen, es wurden aber nur taube Störungszonen und "Kracken" (das sind Karsthöhlen) aufgefunden. Die Zinkerze in den oberen Teufen waren größtenteils in Sekundärmineralien (Galmei) umgewandelt, der zur Messingherstellung verwendet wurde ( Zinkblende konnte erst im 19.Jh. verhüttet werden).

    Mineralien:
    Sphalerit und Galenit bilden die Primärvererzung und können auch heute noch auf den Halden mit Calcit verwachsen gefunden werden. Die Derberzstücke lassen sich gut anschleifen. Ansonsten findet sich (spärlich) die typische Mineraliengesellschaft der an den Wettersteinkalk gebundenen ostalpinen PbZn-Lagerstätten.
    Nämlich:

  • Greenockit in gelben Anflügen,
  • Calcit xx und Dolomit xx als Gangart,
  • Smithsonit xx, Hydrozinkit, Cerussit xx und Hemimorphit xx als Verwitterungsprodukte von Galenit und Sphalerit.
  • sehr selten Cu-Zn Verwitterungsprodukte (Aurichalcit),
  • angeblich auch die Molybdänerze Descloizit und Ilsemannit.
  • Erreichbarkeit:
    Die alten Halden können vom Ortsteil Schmelz aus über einen Wanderweg, der durch das Ewiggangrevier führt, in etwa eineinhalb Stunden erreicht werden. Auf den Halden können leicht noch Belegstücke von Derberzen und (nicht ganz so leicht) auch ihre Verwitterungsprodukte gefunden werden. Die Stolleneingänge wurden größtenteils zugesprengt.

    Gefahren:
    Auch die auf 1100 bis 1300 m liegenden Halden befinden sich bereits im "alpinen Gelände". Man sollte deshalb gut zu Fuß sein und die nötige Ausrüstung und Trittsicherheit mitbringen. Soweit man auf offene Stollen stoßen sollte, gilt das zum Höllental gesagte. Bleiben Sie draußen. Begehen Sie keine alten Bergbauanlagen, deren Gefahren Sie nicht kalkulieren können!

    Literatur:

  • Siehe Riedbodeneck
  • Schmeltzer H., Die Mineralien Bayerns,Weise Verlag
  • Pöverlein, Die Mineralien von den Halden am Kienberg bei Inzell/Bayern, Lapis Heft Nr. 1 Jg. 9 1984: Eine ausführliche Zusammenfassung über die Lagerstätte, die für jeden, der das Gebiet besuchen will, sehr empfehlenswert ist.

    Last Update: 02.06.2003
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