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Cementsteinbergwerk Marienstein
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Marienstollen am 16.12.2002
Marienstollen am 16.12.2002 © Rainer Timm
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Cementsteinbergwerk Marienstein [-1998]
TK Nr. 8236 Tegernsee
32 U 700420 UTM 5291890

Anfahrt:
Bundesstraße 472 Miesbach - Bad Tölz. Von Miesbach aus kommend verläßt man die B 472 im Kreisel ca. 1 km vor der Ortschaft Waakirchen in Richtung "Marienstein".

Das Zementsteinbergwerk Marienstein liegt westlich von Gmund am Tegensee. Der zur Zementgewinnung benötigte Mergel wurde anfangs durch einen Bergbau, später durch zwei Steinbrüche ("Am Kessel" und "Hotzeralm") gewonnen. Bereits 1894 beschrieb L. v. Ammon in einer Arbeit über seine geologischen Untersuchungen des Bergbaus einen großen Stollen von 1020 m Länge.
Die Abbautätigkeit erfolgte seinerzeit durch einen Hauptstollen, sowie mehrere vorwiegend senkrecht zum Hauptstollen stehende Nebenstrecken. Von den Nebenstrecken aus wurden wie Treppen aufsteigend Gewölbe von 10 m Breite und ca. 20 m Länge abgebaut (Kammerabbauverfahren).

L. v. Ammon beschrieb von "Kalkspath" gefüllte Risse und Sprünge im graugrünen Mergel. In diesen Calcitadern gab es Hohlräume bis zu 20 cm Größe aus denen er schöne Calcitskalenoeder beschrieb. Weiterhin erwähnt er als für die Region neues Mineral blaue Coelestine, die allerdings nur selten vorkamen und auf Calcit aufsaßen. Größenangeben dazu finden sich in in dieser Arbeit nicht.

Im Jahre 1901 untersuchte P. v. Sustschinsky aus St. Petersburg auf Veranlassung von Prof. P. Groth die Coelestine. Er beschrieb das Vorkommen näher.
Die Krystalle wurden in dem Stollen des Cementwerkes in einer Tiefe von ungefähr 250 m (unter dem Gipfel des von dem Stollen durchbrochenen Berges) gefunden, und zwar in Drusenräumen und auf Spalten eines grünlichgrauen Mergels, der nach den Angaben von Herrn v. Ammon (l. c.) untercretacischen Alters ist. Die Hohlräume, Geoden u.s.w. im Mergel sind zunächst mit Kalkspathkrystallen ausgekleidet, und auf diesen sitzen als Neubildung die Cölestinkriställchen.

P. v. Sustschinsky untersuchte überwiegend Material aus der königlich bayerischen Mineralogischen Sammlung. Die untersuchten Kristalle waren farblos oder blau und besaßen eine Größe von 3-4 mm. Weiterhin beschrieb P. v. Sustschinsky, dass er im Rahmen einer Begehung vor Ort das Gestein, in welchem die Coelestine vorkamen, besichtigen konnte. Bereits zum damaligen Zeitpunkt gab es nach seinen Angaben keine Coelestinfunde mehr. Ihm wurden aber vom Betriebsleiter einige Stücke überreicht. Auf einer der Stufen befanden sich neben Calcit und Coelestin auch Aragonitnadeln bis 1,5 cm Länge. Neben den oben beschriebenen Mineralien konnten auch teils bedeutende Fossilienfunde getätigt werden.

Hermann Steinmetz ergänzte in einem Artikel aus dem Jahr 1948, dass bereits zu diesem Zeitpunkt der Stollen am Marienstein nicht mehr gangbar war. Außerdem stellte er fest, dass wohl alle in Münchener Sammlungen aufbewahrten Stücke des Vorkommens im Kriege vernichtet wurden.

Nachdem die Vorräte im Stollen erschöpft waren, wurden oberhalb des Zementwerkes die Steinbrüche "Am Kessel" und (später) "Hotzeralm" angelegt, von wo bis zur Auflassung des Betriebes im Jahre 1998 abgebaut wurde. Der alte Stollen wurde 1961 wieder aufgewältigt und diente zwischenzeitlich als Transportweg für das gewonnene Material. Zu diesem Zwecke trieb man vom Steinbruch Hotzeralm einen Schacht auf den alten Stollen hinab. Der Kalk wurde dann einfach in den Schacht geworfen und von dort mit Loren und einer kleinen Eisenbahn zu Tage transportiert. Das hatte den Vorteil, dass man auch im Winter problemlos abbauen konnte, ohne die gefährlichen Bergstraßen zum Werk hinabfahren zu müssen. Allerdings war der Transport im Stollen auch die "Engstelle" der Produktion, wenn hier eine Störung vorlag, lag der ganze Betrieb still. Aus diesem Grund wurde der Transport durch den Stollen bereits in den 70er Jahren wieder aufgegeben. Das Werk lagerte fortan Kalkgestein in große Silos ein, um mit diesem die Winterproduktion zu betreiben. Der Stollen wurde bei ca. 80 m Tiefe vermauert.

Am Marienstein wurde im Zeitraum von 1852 bis 1962 neben Mergel zur Zementherstellung auch Pechkohle bergmännisch gewonnen. Der dabei neben den sehr schmalen Flözen gewonnene Kalk wurde ebenfalls in der Zementfabrik verarbeitet .

Geschichtliches:
1850/51 errichtete der Besitzer des Gutes Oberkammerloh 2 Zementöfen und eine Mühlenanlage, die durch eine Dampflokomobile betrieben wurde. Die Steine für seine "Zementfabrik" holte er aus dem Steinbruch im "Holzwiesenthal", wohin er später seine Tätigkeit verlegte. Nach seiner Enkelin "Maria" wurde es umbenannt in "Marienstein". Der hydraulische Kalk wurde in Fässern in der näheren Umgebung und bis nach München verkauft.

1852 erhielt Herr Deuringer durch das kgl. Bergamt München das Gewinnungsrecht für Kohle. Marienstein wurde Bergwerksort bis 1962 die letzte Schicht gefahren wurde. Nach der Schließung des Zementwerks bemühte sich die Gemeinde um Industrieansiedlungen.

Quelle: Geschichte der Stadt Waakirchen

Anschließend wurde der Bergbau am Marienstein bis 1901 durch die Gewerkschaft Marienstein u. die Bay. Portland-Cementwerk Marienstein AG betrieben.
Ab 1901 kommt es zu einer 75 %-igen Beteiligung der Firma Portland-Cementwerke Heidelberg und Mannheim Actiengesellschaft. Im Winter 1930/31 lag der Betrieb infolge der Wirtschaftskrise still. Ab 1937 kam es zu einer festen Eingliederung in den Konzern "Portland-Cementwerke Heidelberg und Mannheim Actiengesellschaft", der ihn 1946 an den Bayerischen Staat verkaufte. Später kam es zu einer 50%-igen Beteiligung des Südbayer. Portlandzementwerk, Rohrdorf, welches das Werk dann die letzten Jahre bis zur Auflassung (1998) in alleiniger Herrschaft betrieb. Im Marienstein wurden zeitweise bis zu 300 Personen beschäftigt.

Derzeit (2002) werden die beiden Steinbrüche wieder verfüllt und anschließend rekultiviert.

Rainer Timm

Literatur:
Ammon, L. v., Geognostische Beobachtungen aus den Bayerischen Alpen, in Geognostische Jahreshefte, München Band 7 (1894) Seiten 99-102
Sustschinsky, P. v., Über den Coelestin aus dem Zementsteinbergwerk Marienstein bei Tegernsee in Bayern, in Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie, Band 34 (1901) Seiten 563-568
Steinmetz, H., Über zwei Coelestinvorkommen vom nördlichen Alpenrand, in Heidelberger Beiträge zur Mineralogie und Petrographie, Band 1 (1949) Seiten 399 - 402

Last Update: 27.05.2003
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