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Der Bergbau auf die Neuburger Kieselerde
Ehemalige Grube Greuth
Ehemalige Grube Kreuth
© Armin Hanneberg
Grube Am Steinbruch
Grube Am Steinbruch
© Armin Hanneberg
Grube Spinne
Grube Spinne
© Armin Hanneberg

Die Neuburger Kieselerde - auch Kieselkreide oder Neuburger Weiß genannt - ist ein weißes bis gelbliches, äußerst feinkörniges, lockeres Gestein, das aus Quarz, organischer Kieselsäure und Kaolinit besteht. Wegen seiner großen Härte und Feinkörnigkeit findet die Kieselerde vielfältige industrielle Anwendungen z.B. als Putz- u. Schleifmittel, in Zahnpasta und Kaugummi, als Füllstoff für Kunststoffe, Klebstoffe, Farben und Lacke, als Beimischung in industrieller Keramik, in der Bauchemie sowie im 19. Jh. für die Ultramarin-Synthese (STREIT 1987).

Die Kieselerde entstand in einer flachen Meeresbucht während der Oberkreide vor etwa 70 Millionen Jahren. Hier lagerten sich Ton, Feinsand und Kieselschwämme ab, die von der Brandung aufgearbeitet wurden. Im verkarsteten Untergrund des oberen Juras entstanden Senken und Einbrüche, in denen sich die kreidezeitlichen Ablagerungen ansammelten. Nach der Hebung der Fränkischen Alb vertiefte eine erneute Verkarstung diese Senken. Die nachsackenden Sedimente wurden so vor der Erosion geschützt (STREIT 1978, 1987).

Das Verbreitungsgebiet der Kieselerde erstreckt sich zwischen Neuburg und Wellheim auf ca. 140 km². Die Kieselerde tritt in kesselförmigen und wannenförmigen Vertiefungen auf. Die Ausdehnung einer Lagerstätte liegt zwischen 100 und 300 m bei einer Tiefe von durchschnittlich 60 m. Einzelne Vorkommen erreichten auch Tiefen über 100 m. Im Laufe der mehr als hundertjährigen Abbautätigkeit wurden mehr als 50 Einzelvorkommen abgebaut (KEMPCKE 1958, STREIT 1978, 1987).

Geschichte:
Schon während des 1. Jh. n. Chr. soll Kieselerde zur Herstellung von Tonwaren verwendet worden sein (SCHNEIDER 1933). Allerdings stehen die nördlich von Neuburg gehäuft auftretenden Trichtergrubenfelder im Zusammenhang mit einem frühmittelalterlichen Bergbaus auf Brauneisenerze (Goethit). C14-Untersuchungen an Holzeinbauten der während eines Kieselerde Abbaues freigelegten Schächte belegen einen Betrieb um das Jahr 700 (ECKSTEIN 1974, 1976). Erste urkundliche Erwähnung eines Bergbaues auf Kieselerde bei Neuburg geht auf den Steingutfabrikanten Johann Baptist Koller zurück. Er gewann zu Beginn des 19. Jh. am so genannten Klausenbruch Ton auch untertage durch mehrere Schächte, die bis unter die Donau vorstießen. Die eigentliche Kieselerde verkaufte er als Malerfarbe und Putzmittel. Nachdem Koller sich 1828 aus der Steingutfabrikation zurückziehen mußte, widmete er sich neben der Landwirtschaft weiterhin der Gewinnung von Kieselerde. Weitere Vorkommen wurden entdeckt, die Kieselerdegewinnung aber blieb in den nächsten Jahrzehnten ein Nebenerwerb. "Kreidefündige" Bauern trieben im Raubbau kleine unabgesicherte Schächte in die Lagerstätte, die bald wieder zusammenfielen. Neue Einsatzmöglichkeiten bot die Ultramarin-Synthese aus Kieselsäure und Natriumhydroxid. Aber erst durch den Bau einer Eisenbahnlinie (Donautalbahn) im Jahre 1873 verbesserten die Absatzchancen. Um die Jahrhundertwende beteiligten sich erstmals kapitalstarke Firmen an der Kieselerdegewinnung. So übernahm die 1893 eine Leipziger Firma den Betrieb an der Klause und gründete die Vereinigten Neuburger Kreidewerke Schulz und Phillip. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg setzte ein regelrechtes Kreidefieber ein. Die Gründung weiterer großer Betriebe folgte: Kreidefabrik Hoffmann (1902), Neuburger Kieselweiß AG (1910), Bayrisches Kreidewerke Straß (1912).
Schild der Grube Kreuzgründe
Schild der Grube Kreuzgründe
© Armin Hanneberg
Profil der Grube Kreuzgründe
Profil der Grube Kreuzgründe
Aus: Streit 1987
Bohrgerät - Prospektion
Bohrgerät zur Prospektion
© Armin Hanneberg
Grube Spinne
Grube Spinne
© Armin Hanneberg

Die Firmen investierten zunehmend in die Mechanisierung des Abbaus und in die Aufbereitung (Schlämmbetriebe). Beispielsweise errichtete die Firma Hoffmann & Söhne in den 30er Jahren zum Abbau einer tiefen Grube einen Kabelkran mit einer Spannweite von 250 m (SCHNEIDER 1933). Bei mächtigen Deckschichten ging man in den Tiefbau über. Meistens erschloss ein tonnlägiger max. 30 Grad einfallenden Schacht die Kieselerde. Die Förderung erfolgte über einen Bremsberg mit einer Haspel mit Dieselantrieb. Das größte und tiefste Vorkommen erschloß die Grube Kreuzgründe am Hainberg, die ab 1954 über einen saigeren Schacht und zwei nachgeschalteten tonnlägigen Blindschächten sowie später über eine tonnlägigen ca. 20 Grad einfallenden Förderbandstrecke produzierte. Der Abbau erfolgte scheibenweise von oben nach unten im Örter-Bruchbau. Abbaustrecken (Örter) wurden in den Kieselerdestock getrieben und nach Erreichen der Abbaugrenze durch Rückbau des Ausbaus zum Einbrechen gebracht. Die Abbaustrecken waren so angelegt, dass es keine Abbauverluste gab. Die Grube erreichte bis zur Einstellung des Untertagebergbaus im Jahre 1979 eine Teufe von ca. 130 m. Die maximale Belegschaft betrug 60 Mann (GRAF 1987). Heute baut die Firma Hoffmann Mineral als alleinige Inhaberin der Abbaurechte nur noch im Tagebau Kieselerde ab. Diese Abbautrichter können über 50 m tief sein. Die bekannten Vorräte reichen noch weit bis ins 21. Jh.

Sternquarz
Sternquarz
© Armin Hanneberg
<br>Sternquarz
Sternquarz
© Armin Hanneberg

Sternquarz aus der Grube Spinne
Sternquarz aus der Grube Spinne
© Armin Hanneberg

Mineralien:
Aus den Kieselerdegruben von Kreuth wurden in den 50er Jahren schon bläulichweiße Sternquarze in Begleitung von Chalcedon erwähnt. FRUTH beschreibt Einzelkristalle bis 1,5 cm. (FRUTH 1952). Inzwischen ist dieser Fundpunkt von der Natur zurückerobert und befindet sich in einem Naturschutzgebiet. Funde sind hier keine mehr zu erwarten. Aber in einigen anderen Gruben treten gelegentlich ähnlich ausgebildete Sternquarze und Chalcedon auf. Häufiger finden sich Brauneisenerze (Goethit) in schalenförmiger Ausbildung. In Drusen der Goethitgeoden kommen auch kleine rhomboedrische Siderit/Ankerit-xx vor. Die Fundsituation ändert sich rasch mit dem Abbaufortschritt, auch bestehen die meisten Gruben nur wenige Jahre, sodass auf genauere Angaben verzichtet wurde. Das Betreten der durch Hangrutschung gefährlichen Gruben ist bergpolizeilich untersagt.

Weitere Aufschlüsse im Lkr. Neuburg-Schrobenhausen

Felder und Kiesgruben südlich/nördlich Neuburg
Lage: in Kiesgruben und Feldern vor allem auf der Höhe 395 bis 430 m ü NN
Geologie: Miozän
Funde: versteinerte Hölzer
Lit: LANG 2001

Steinbruch Unterhausen (4434100 5398200)
Lage: zwischen Latourdenkmal und Bahnhof Unterhausen (aufgelassen)
Geologie: Unterhausener Schichten (Malm Zeta 6)
Funde: v.a. Ammoniten, Muscheln
Lit: STREIT 1978, MEYER & SCHMIDT-KALER 1991

Steinbruch Bertholdsheim (4427000 5402000):
Lage: nordwestlich von Bertholdsheim (aufgelassen)
Geologie: Rennershofener Schichten (Malm Zeta 5)
Funde: Ammoniten, Muscheln
Lit: STREIT 1978, MEYER & SCHMIDT-KALER 1991

Steinbruch Mauern (4430900 5404800):
Lage: westlich von Mauern (aufgelassen)
Geologie: Riffdolomite d. oberen Juras
Funde: Calcit, Hornstein, schlecht erhaltene Fossilien
Lit: STREIT 1978, MEYER & SCHMIDT-KALER 1991

Steinbruch Hütting (4434200 5407400)
Lage: westlich von Hütting (aufgelassen)
Geologie: Riffdolomite d. oberen Juras
Funde:
Lit: MEYER & SCHMIDT-KALER 1991

Steinbruch Leisacker (4438580 5401660):
Lage: zwischen Leisacker und Gietlhausen (aufgelassen - Naturdenkmal)
Geologie: Riffkalke des oberen Juras (Malm Zeta 3)
Funde: Korallen, Schwämme, Brachiopoden
Lit: STREIT 1978, MEYER & SCHMIDT-KALER 1991

Literatur:

  • ECKSTEIN, M. (1974): Eisenerzbergbau im "Hainberg" bei Neuburg a. d. Donau.- Neuburger Kollektaneenblatt, 127, S. 28-41, Neuburg a. D.
  • ECKSTEIN, M. (1976): Neue Untersuchungsergebnisse zum Eisenerzbergbau im "Hainberg" bei Neuburg a. d. Donau.- Neuburger Kollektaneenblatt, 129, S. 133-135, Neuburg a. D.
  • FRUTH, L. (1952): Über einige Kieselsäurevorkommen in der Umgebung von Neuburg an der Donau.- Der Aufschluss, 3, S. 36-39, Heidelberg.
  • GRAF, R. (1987): Abbau von Kieselerde.- In: Bergbau und Bergleute, S. 69-70, Wir-Verlag, Aalen.
  • LANG, L. (2001): Lagerungsverhältnisse versteinerter Hölzer südlich Neuburg a.d. Donau.- Neuburger Kollektaneenblatt, 149, S. 183-196, Neuburg a. D.
  • KEMPCKE, E. (1958): Ein Beitrag zur Genese der Neuburger Kieselerde und ihrer fossilen Fauna.- Keramische Zeitschrift, Jg. 10, Nr.9/10, S.11, Lübeck.
  • MEYER, R. & SCHMIDT-KALER, H. (1991): Wanderung in die Erdgeschichte II, Durchs Urdonautal nach Eichstätt, 122 S., Verlag Friedrich Pfeil, München.
  • SCHNEIDER, M. (1933): Die Kieselerde von Neuburg a. d. D. und ihre Industrie.- 94 S., Dissertation TU München.
  • STREIT, R. (1978): Geologische Karte von Bayern 1:25000, Erläuterungen zum Blatt 7232 Burgheim Nord.- 222 S., München.
  • STREIT, R. (1987): Neuburger Kieselerde (Kieselkreide).- Geologica Bavarica, 91, S. 153-158, München.
  • Last Update: 12.04.2003
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