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Bleibergwerk Riedbodeneck

Bleibergwerk Riedbodeneck [-1903]
TK Nr. 8633 Mittenwald
32 U 669855 UTM 5252270
Riedbodeneck Mitte der 80er Jahre
Bergbau Riedbodeneck Mitte der 80ziger Jahre Fotos: Heiner Schuster

Im Riedbodeneck zwischen Mittenwald und Scharnitz, kurz vor der Landesgrenze befindet sich die "Franz Adolf Zeche", ein alter Abbau auf Blei- und Zinkerze, der Ende des 19. Jahrhunderts letztmalig (ohne Erfolg) betrieben wurde. Erhalten geblieben sind mehrere Stollen und eine kleine Halde, die weniger für den Mineraliensammler sondern für den geologisch oder bergbaulich Interessierten ein lohnendes Ziel bietet.

Erreichbarkeit:
Kurz vor dem Grenzübergang Scharnitz befindet sich bei einem Parkplatz eine Fußgängerbrücke; von dort führt ein Fußweg entlang der Staatsgrenze unmittelbar zum alten Bergwerk. Vor dem Unterbaustollen befinden sich Tische und Bänke (Rastmöglichkeit).

Bergbaureste:
Der offene Unterbaustollen führt immer etwas Wasser. Er erreicht nach etwa 80 Metern eine ca. 30 Meter lange Querstrecke, von der aus zwei (nicht begehbare) Schachtaufbrüche abzweigen. Der nördliche Schachtaufbruch steht in Verbindung mit einer ca. 30 Meter darüber befindlichen Stollengruppe mit einem Tagebau, einem tagnahen alten Abbau und 3 Suchstollen aus dem 19. Jahrhundert. Der Tagebau wird durch zwei schöne Harnischblätter begrenzt (durch eine Verwerfung blank poliertes Gestein).

Geologie:
Das Bergwerk am Riedbodeneck gehört zu einer Reihe von Blei/Zink Lagerstätten im oberen Wettersteinkalk (Trias), die verbreitet in den Ost- und Südalpen (Bleiberg) über Jahrhunderte bebaut wurden. In den bayerischen Alpen waren dies v.a. das Bergwerk im Höllental bei Garmisch und die Gruben am Rauschberg bei Inzell. Die Genese dieses Lagerstättentypus war (und ist) umstritten. Während Schneider von einer synsedimentären Ausfällung von Blei und Zink im Lagunenflachwasser des Triasmeeres bei späterer teilweiser Umlagerung ausgehen, wird auch die Meinung vertreten, dass hydrothermale Lösungen am Meeresboden austraten, die sich teils am Meeresboden, teils bereits in den Zufuhrspalten ablagerten. Neben Bleiglanz und Zinkblende und ihren Verwitterungsprodukten führen die Lagerstätten teilweise Pyrit, Molybdänerze (Wulfenit u. Descloizit), (sehr selten) Kupfererze und Calcit sowie seltener Fluorit als Gangart.

Mineralien:
Am Riedbodeneck bestehen nur noch sehr schlechte Fundmöglichkeiten für derbe Zinkblende mit Bleiglanz und Calcit in Wettersteinkalk auf der kleinen Halde vor dem Unterbaustollen. Bleiglanz mit Blei/Zink-Sekundärmineralien findet sich auf der Halde nordwestlich des Unterbaustollens, allerdings nur in Kleinstufen bzw. Micromounts.
Am ehesten kann man Cerussit xx mit Hydrozinkit und Smithsonit xx (reiskornartig) finden. Seltener kam auch Hemimorphit in kleinen xx vor. Als Besonderheit fand sich auch Wulfenit in kleinen orangenen xx auf Hydrozinkit.
Wer Belegstufen der Bleizinkmineralisation sammeln möchte, sollte aber nicht das Riedbodeneck sondern die nahegelegene Lagerstätte Lafatsch im Hinterautal bzw. beim Isarursprung im Karwendel besuchen. Hinter der Kastenalm (in etwa 1, 5 Stunden mit dem Fahrrad von Scharnitz aus erreichbar) sowie am "Silbernen Hansl" in Richtung Hallerangerhaus finden sich große Halden des bis 1966 betriebenen Blei/Zink-Bergbaus mit guten Fundmöglichkeiten für Bleiglanz, Zinkblende, Pyrit, Cerussit xx, Greenockit (in gelben Anflügen auf Zinkblende).
Die wenigen Erzreste am Riedbodeneck sollten auch späteren Besuchern aufzeigen, was "die Alten" dort einst suchten.

Gefahren:
Der Unterbaustollen ist sehr leicht erreichbar. Er ist gemessen an anderen alten Bergbauanlagen relativ gefahrlos begehbar (befahrbar, wie der Bergmann sagt). Das heißt nicht, dass nicht etwas passieren kann! Das Betreten alter Bergbauanlagen ist in der Bundesrepublik auch verboten! Die Stollen oberhalb befinden sich im alpinen Gelände. Auch eine 3-Meter hohe Felswand kann tödlich sein. In der oberen Stollengruppe sind die tagnahen Bereiche der alten Zeche verwittert, es können sich Steine lösen. Im linken Stollen befindert sich eine Schachtöffnung. Die weiteren Stollen sind nur mit Seil erreichbar.

Literatur:
  • Schneider H.J., Lagerstättenkundliche Untersuchungen am Oberen Wettersteinkalk der bayerischen Kalkalpen östlich der Loisach; unver. Diss. München 1953
  • Stefan Weiß, Das alte Bergwerk am Riedbodeneck, Lapis, Februar 1982, S.9ff.
  • Last Update: 27.05.2003
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