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Münchener
Mineralienfreunde e.V.
Verein zur Förderung der Geowissenschaften, MM e.V. Schriftführung Ingrid Bode Ideeller Träger der Frühjahrsmesse und der Mineralientage München 2000 |
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Sammelreise der Arbeitsgruppe Micromounter nach Cornwall (3.7.1999-10.7.1999) Samstag, 3.7.1999 Das Chichester Guesthouse sollte unser Quartier werden für die nächsten acht Tage. Dieses Gästehaus wird von Sheila Harper und Steve Hebdige betrieben. Sie bieten themenbezogene Aufenthalte an, die nicht nur Unterkunft und Verpflegung umfassen: es gibt Wanderwochen, historisch-archäologische Wochen, botanische Wochen. Und es werden Mineralien-Sammelwochen angeboten. Eine bessere Führerin als Sheila Harper kann man sich in Cornwall kaum vorstellen. Sie ist selbst begeisterte Micromounterin und kennt die cornische Geologie und Mineralogie samt den Fundstellen bestens. Sie stellt ihren Gästen nicht nur ihre Kenntnisse sondern auch den an das Gästehaus angrenzenden Mineralienschuppen zur Verfügung. Hier gibt es mehrere Mikroskop-Arbeitsplätze, eine Steinpresse und alles was man sonst noch zum Bearbeiten seiner Funde benötigt. Von fast allen Fundstellen ist Rohmaterial vorhanden, so dass man sich schon vorab informieren kann. Sheilas Sammlungsstücke, zum Teil ebenfalls nach Fundorten gegliedert, stehen ebenfalls zur Vorinformation zur Verfügung. Kommt man von einem Sammeltag zurück, dann kann man hier seine Funde so bearbeiten, daß man nur noch die wirklich lohnenden Stücke ohne übermäßigen gewichtsmäßigen Ballast mit nach Hause nimmt Am Abend des Ankunftstages aber interessierte uns dieser Mineralienschuppen noch nicht. Wir bezogen unsere Zimmer (klein, puppenstubenhaft, aber nicht ohne Charme), nahmen ein einfaches Abendessen zu uns, tranken ein Bier oder einen Wein an der hauseigenen Bar und gingen nach einem langen Reisetag bald schlafen. Sonntag, der 4.7.1999 Dann ging es los zur ersten Fundstelle. Sieben Mitglieder unserer Gruppe fuhren im Minibus des Chichester, der von Sheila gesteuert wurde. Die übrigen fünf fuhren in einem der von uns gemieteten Fahrzeuge hinterher. Die Ting Tang Mine bei Gwennap war unser erstes Ziel. Erst kürzlich war diese Fundstelle wieder in der Fachpresse erwähnt wegen der dort vorhandenen guten Fundmöglichkeiten. Im ersten Augenblick waren wir eher enttäuscht: Wir hatten ein weitläufiges Minen- und Haldengelände erwartet. Statt dessen fanden wir ein stark überwachsenes Gebiet, auf dem ein relativ kleiner Bereich einer alten Halde umgeschichtet und für Sammelzwecke wieder zugänglich gemacht worden war. Für das Sammeln muß man eine Gebühr von 10 GBP pro Person und Tag bezahlen. Schweres Grabwerkzeug (Pickel, Schaufel) wäre zweckmäßig gewesen, um an vielleicht noch unberührte Schichten der Halde heranzukommen. Diese Ausrüstung hatten wir nicht mit. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als uns auf das Suchen in oberflächennahen Brocken zu beschränken.
Den mittäglichen Lunch nahmen wir auf der Fundstelle ein. Sheila hatte Sandwich, Obst, Kaffee, Tee, Yoghurt und Gebäck vorbereitet. Nach eingehender Diskussion beschlossen wir, am Nachmittag eine weitere Fundstelle aufzusuchen, und zwar die Penberthy Croft Mine bei St. Hilary in der Nähe von Penzance. Diese Fundstelle entsprach schon eher unseren Vorstellungen. Vor uns breitete sich ein weitverzweigtes, weitgehend überwachsenes, altes Haldengelände aus. Früher wurden hier Kupfer und Zinn abgebaut. Schon um das Jahr 1840 herum wurde der aktive Bergbau eingestellt. Wie für alle anderen Fundpunkte auch gab uns Sheila eine Liste der Mineralien, die sie selbst oder Mitglieder ihrer Gruppen in Penberthy Croft schon gefunden hat. Über 100 zum Teil sehr seltene Mineralien sind in dieser Liste erwähnt. Wie viele davon wir an diesem Sonntag Nachmittag haben finden können, ob wir dieser Liste vielleicht sogar ein bisher noch nicht erwähntes Mineral hinzufügen konnten, das wird sich erst zeigen, wenn wir unser Rohmaterial in Ruhe aus- und aufgearbeitet haben. Gegen 18 Uhr waren wir wieder im Chichester. Bis zum Abendessen konnten wir noch einen Spaziergang an die Küste unternehmen. Unterhalb des Kliffs breitet sich ein sandiger Strand. Die Brandung war relativ stark. Schwimmer sah man wenige. Es gab aber viele Surfer, die sich in ihren Neopren-Anzügen den sehr kühlen Fluten des Atlantik aussetzten. Die Abendsonne verzauberte die Szenerie und tauchte die Felsen, den Strand und die Gebäude der Stadt in ein warmes, goldenes Licht. Überhaupt: das englische Wetter war in dieser Woche wieder einmal deutlich besser als sein Ruf. In den ersten Tagen wechselten sonnige Abschnitte mit schnell durchziehenden Wolkenfeldern. Regenschauer waren von nur kurzer Dauer und erwischten uns nur zu Zeiten, in denen wir uns ohnehin gerade "unter Dach" befanden. In der zweiten Wochenhälfte dann war es nur noch sonnig und hochsommerlich warm. Was für das Wetter galt, das galt auch für das Essen: Sheila und Steve servierten uns eine abwechslungsreiche und reichhaltige Kost. Dem in England üblichen sparsamen Umgang mit Salz, Pfeffer und anderen Gewürzen ließ sich durch entsprechendes Nachwürzen am Tisch leicht begegnen. Bewundernswert aber war die Tatsache, dass unsere beiden Wirte (die praktisch ohne Hilfe auskamen) in der Lage waren, schon eine Stunde nach Rückkehr von einer Exkursion das Abendessen zu servieren. Montag, der 5.7.1999 Eine Sammelerlaubnis muß man sich bei der Betriebsleitung einholen. Eine Sammelgebühr wird offiziell nicht verlangt. Es wird jedoch erwartet, daß man pro Person eine Spende von 3 GBP gibt, die für caritative Zwecke verwendet wird. Die Sicherheitsvorkehrungen sind streng: Schutzhelm und stahlkappenbewehrte Stiefel sind Vorschrift, eine Jacke in Signalfarbe ist erwünscht. Bevor man das Steinbruchgelände betreten darf, gibt der Sicherheitsingenieur sehr detaillierte Verhaltensregeln, die man auch einhalten sollte, wenn man nicht Gefahr laufen möchte, des Geländes verwiesen zu werden. Wir verbrachten den ganzen Tag auf dieser Fundstelle. Wie immer werden wir auch hier erst nach intensiver häuslicher Arbeit den ganzen Umfang unserer Funde beschreiben können. Schon jetzt aber wissen wir, daß Aragonit, Anglesit, Aurichalcit, Calcit, Chlorit, Cerussit, Dolomit, Galenit, Hemimorphit, Malachit, Pyrit und sehr schöne Quarze gefunden wurden. Beim Verlassen des Geländes erlebten wir eine Überraschung. Wir mußten über eine etwa 10 Meter lange und 4 Meter breite Betonplatte mit Betonmauern auf beiden Seiten fahren. Über den Sinn dieser Anlage machten wir uns weiter keine Gedanken. Zu unserer Überraschung erwies sie sich als Auto-Waschanlage: Plötzlich prasselten von beiden Seiten Wasserwände auf unsere Fahrzeuge ein. Es war reiner Zufall, daß wir die Wagenfenster zu diesem Zeitpunkt geschlossen hatten und auf diese Weise einer unfreiwilligen Dusche entgingen.
Dienstag, den 6.7.1999 Auch den heutigen Tag verbrachten wir wieder auf einer einzigen Fundstelle, der Wheal Remfrey China Clay Pit bei Indian Queens. Hier wird Kaolin als Rohstoff für die Porzellan-Industrie abgebaut. Der Prozeß ist überaus einfach: Mit Wasserkanonen wird das pulverartige Material unter sehr hohem Druck aus dem Gestein, einer Explosions-Breccie, gespült. Der Kaolin-Schlamm läuft in Bächen abwärts und wird an der tiefsten Stelle der Mine in Becken gesammelt. Auch hier muß eine Erlaubnis zum Betreten des Minengeländes eingeholt werden. Die Sicherheitsvorschriften sind streng und müssen eingehalten werden. Sammelgebühren werden nicht verlangt. Für uns Sammler sind die mit der Explosions-Breccie assoziierten Mineralien von Interesse: Quarz in der Form von Amethyst oder Rauchquarz, teilweise in Szepterbildungen kann hier gefunden werden. Daneben fanden wir vor allem Anatas, Kassiterit, Wavellit, Turmalin und Topas. Insbesondere die Anatase und die Kassiterite waren allerdings so klein, daß sie wirklich nur für begeisterte Micromounter von Interesse sein konnten. Mittwoch, der 7.7.1999 Minions ist eine frühere Bergarbeitersiedlung, die heute aufgrund ihrer landschaftlichen Lage und ihrer Artefakte aus der Bronzezeit weitgehend vom Tourismus lebt. Wir unternahmen eine Wanderung durch das Bodmin Moor. Wir passierten drei Steinkreise aus der frühen Bronzezeit, deren Bedeutung bis heute nicht endgültig geklärt werden konnte. Ihr Name "The Hurlers" bezieht sich auf eine Sage, ist jedoch als Erklärungsmodell kaum ausreichend: Hurling ist ein traditionelles Spiel keltischen Ursprungs. In Vorzeiten sollen die Bewohner dieser Gegend das Spiel an einem hohen Feiertag gespielt haben, worauf sie von den zürnenden Göttern zur Strafe in Stein verwandelt wurden. Auf dem Weiterweg wanderten wir durch eine Landschaft mit teilweise Heide-, teilweise Moorcharakter. Die Flora war eher artenarm. Zu viele weidende Schafe und Rinder halten die Vegetation kurz. Nur in den moorig-feuchten Bereichen konnten wir interessante Beobachtungen der Flora (z.B. fleichfressender Sonnentau) oder Fauna (Frösche, Libellen) machen. Unser Wanderziel war ein Hügel, dessen Gipfel dekoriert ist mit waagrecht übereinander gestapelten erodierten Granitplatten, die an überdimensionierte Käselaibe erinnern. Cheesering ist der bildhafte Name dieses Hügels mit einer Gipfelhöhe von 381 Meter. Eine Fernsicht über Moor und Heide öffnet sich. Nicht weit entfernt sieht man die Reste der Phoenix Mine, die Eigentum von Prinz Charles ist. Das Maschinenhaus der Prince of Wales-Mine ist restauriert und zu einem kleinen Besucherzentrum ausgebaut, in dem man sich insbesondere über die Bergbaugeschichte der Region informieren kann. Nach dem Lunch fuhren wir nur einige Meilen weiter. Nahe bei der kleinen Ortschaft Crow's Nest liegt das Gebiet der ehemaligen South Caradon-Mine. Im Minengebiet ein hübsches grünes Tal, von einem kleinen Bach durchzogen. Nahe des Baches gibt es dunkle Gesteinsbrocken, in deren Höhlungen wir Anatas, Klinochlor, Kassiterit, Fluorit und Bismuthinit finden konnten.
Donnerstag, der 8.07.1999 Wir passierten die Levant-Mine, eine Kupfer-/Zinn-Lagerstätte, die erst im Jahre 1930 ihre Produktion einstellte. Ihre Schächte waren dicht an der Steilküste nach unten gegraben worden. Bis zu 600 Meter tief unter dem Meerespiegel wurden die Stollen in den Atlantik hinaus vorgetrieben, um das begehrte Erz zu bergen. Die Schornsteine und Wände der früheren Minengebäude sind wie überall in Cornwall aus Granit erbaut und werden noch lange den Angriffen der Atlantik-Stürme trotzen. Die Dächer aber fehlen genauso wie die Türen und Fenster. Holz ist ein rarer Werkstoff in Cornwall. Wann immer ein Gebäude aufgelassen wurde, hat man alle Balken und übrigen Holzteile entfernt, um sie bei einem anderen Gebäude wieder zu verwenden. In einem restaurierten Maschinenhaus kann eine cornische Balanciertrommelmaschine im Betrieb besichtigt werden, die früher dem Vertikaltransport von Mensch und Material diente. Bei einem Versagen dieser Maschine kamen um die Jahrhundertwende 31 Bergleute zu Tode, viele wurden verletzt. Die Wanderung endete um die Mittagszeit beim Botallack Head. Hier befanden sich früher die Beevor Mine und die Botallack Mine, deren Gebäude auch heute noch als eindrucksvolle Industrieruinen zu sehen sind. Insbesondere die kühn in die Atlantik-Klippen hineingebauten Maschinenhäuser der Botallack Mine sind ein immer wieder beliebtes Motiv nicht nur in mineralogischen Fachpublikationen über den cornischen Bergbau, sondern auch für die Hobby- Photographen in unserer Gruppe. Sheila erwartete uns am Ziel der Wanderung zum Lunch. Am Nachmittag dann fuhren wir ins Haldengelände der westlich von St. Just gelegenen Wheal Drea, einer Fundstelle für Siderit, zum Teil pseudomorph nach Goethit und Vivianit. Die Paragenese dieses Fundpunktes ist etwas einseitig. Dafür sind die hier leicht zu findenden Siderite besonders schön ausgebildet und von recht ungewöhnlichem Habitus. Auf dem Rückweg nach Newquai machten wir Station in einem typisch cornischen Pub, ließen uns das dunkle Ale schmecken und waren bald im Gespräch mit den Einheimischen, die offenbar nicht allzu häufig ausländischen Touristen begegnen.
Freitag, der 9.7.1999
Mindestens so schön aber wie die Funde war die landschaftliche Umgebung dieser Fundstelle, die sich uns bei wolkenlos blauem Himmel präsentierte. Eine wunderschön geschwungene Bucht, feinster Sand, klares und sauberes Wasser, eine nicht zu hohe Brandung, und kaum Menschen. Einige von uns konnten der Versuchung nicht widerstehen und nahmen ein Bad im Atlantik. Angesichts der niedrigen Wassertemperatur suchten sie allerdings recht bald wieder die wärmende Sonne auf. Um die Mittagszeit gab es eine lebhafte Diskussion um die weitere Gestaltung des Tages. Die herrliche Landschaft und die guten Fundmöglichkeiten sprachen dafür, auch den Nachmittag an der Gravel Hill Mine zu verbringen. Die Neugierde, noch etwas mehr von Cornwall kennen zu lernen, sprach dafür weiter zu fahren. Die Neugierde siegte. Am Südende der Bucht, in der Nähe der Ortschaft Perranporth befindet sich Cligga Head, ein landschaftliches schönes Kap mit den Halden der alten Cligga Head Mine. Auf der Fahrt zu diesem letzten Fundpunkt unserer Reise passierten wir ein Pub, dessen Anblick unsere Lust auf weiteres Graben in alten Halden merklich dämpfte: ein flach geducktes, weiß gestrichenes Gebäude mit Reetdach, Tische und Bänke im Hof, an den Wänden des Gebäudes rankende Pflanzen, Passionsblumen, Kletterrosen, eine subtropische Blütenpracht. Für uns alle stand fest, daß wir nach dem Besuch der Cligga Head Mine hier Station machen würden. Cligga Head bot uns nochmals einen landschaftlichen Höhepunkt. Von der Höhe der Steilküste aus hatten wir einen überwältigenden Blick auf die Küstenlinie mit ihren steil abfallenden Felsen und sandigen Stränden. Die Fundmöglichkeiten an den Halden der Mine waren dagegen nicht gut, sei es daß es uns an Motivation fehlte, sei es daß diese Halden tatsächlich besonders stark abgesucht waren. Samstag, der 10.7.1999
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