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Südnorwegen-Exkursion Mai 2010

Am frühen Morgen des 17. Mai 2010 machten sich 30 Teilnehmer der Anfänger- und Seniorengruppe der MMF e.V. unter der altbewährten Leitung von Gerhard Voges und der sicheren Führung unseres Busfahrers Carsten auf den Weg nach Südnorwegen, um Mineralien und Gesteine zu suchen und zu finden.

Alle sind bestens ausgerüstet mit Werkzeug und entsprechender Kleidung wie Anorak, Gummistiefel, Regenhose etc., damit die möglich schlechte Witterung uns nichts anhaben kann, doch lt. Schorsch: "www. wetteronline.de" wird es schön werden. Warten wir es ab!

Die erste Etappe der Fahrt verläuft ohne Zwischenfälle, zügig, bis uns der Stau im Elbtunnel daran hindert, unser Tagesziel in Neumünster zeitgerecht zu erreichen.

Schönes Hotel am Einfelder See, Abendessen, kurzer Abendspaziergang. Dann rufen unsere Betten, die wir in aller Herrgottsfrühe wieder verlassen müssen, da ein gutes Stück Wegs noch vor uns liegt.
Die Fahrt bis zur dänischen Staatsgrenze und durch ganz Dänemark bietet wenig Abwechslung wie Sehenswertes als auch witterungsbedingt. Doch die Stadt Hirtshals begrüßt uns mit Sonnenschein. Wir genießen die Sonnenstrahlen und freuen uns auf die Überfahrt nach Kristiansand. Nach Verlassen der Fähre, noch eine gute Stunde Fahrt und wir erreichen unseren Standort in Norwegen in Byglandsfjord im südlichen Setesdal.

Am ersten Tag unserer Exkursionsreise lernen wir Paul McCormick kennen. Er wird uns die ganze Zeit begleiten und schafft für uns die Verbindungen zu den einzelnen Minen und Fundstätten und steht mit fachlicher Beratung und Erklärungen sowie mit tatkräftiger Hilfe jedem zur Seite:
1. "Tatort" ist die Landsverk 1 Mine, wo der Besitzer der Mine für uns eine Sprengung durchführt. So können die Teilnehmer glasklare Quarzkristalle, überzogen mit Stilpnomelan oder Chlorit, scharfkantige Pyritwürfel, kleinere Stücke von Amazonit und in großen Mengen Muskovit finden.

Am nächsten Tag geht die Fahrt durch die typische norwegische Landschaft mit Wasserfällen, wechselndem Baumbestand und Vegetation Richtung Norden. Bei einem Staudamm, dessen Ufer - bedingt durch den niedrigen Wasserstand - garniert ist mit bizarren ausgebleichten, verwitterten Baumstämmen und Wurzeln, findet die Gruppe gute Stücke von leuchtend orangefarbenem Calcit und Epidot.
Ein interessanter "Nebenbefund" waren auf der Dammkrone zahlreiche mumifizierte Lemminge, deren Herkunft und Todesursache unklar ist.
Eine weitere Fundstelle an diesem Tag war die Abraumhalde eines Tunnels für eine Pumpstation. Dort wurden schöne Funde von Thulit in unterschiedlichen Farbkompositionen gemacht, ebenso gut schleifbare Stücke von Epidotfels und violettem Fluorit.


Märchenhafte Stimmung am See

Das gute Wetter hatte uns bisher die beiden Tage begleitet, aber vor unserer Heimkehr war am Abend über unserem Heimatort ein Gewitter niedergegangen, das über dem See märchenhafte Spiegelungen und Bilder zeigte, so dass man Trolle und Elfen zu sehen glaubte.


Thulit

Der Besuch der Braastad Mine bei Arendal zeigte keine nennenswerten Funde, dafür wurde die Gruppe entschädigt in einem Steinbruch in Akland, wo viele und gute Granatfunde gemacht wurden und in riesigen Felsbrocken handtellergroße Rhodolit Granat zu sehen waren. Nach Tagen erfolgreichen Suchens von Mineralien und Gesteinen wurde eine Besichtigungstour nach Lysebotn am Lysefjord unternommen, die allen die abwechslungsreiche Landschaft von Südnorwegen nahe brachte mit Waldgebieten bis zu den gletschergeprägten Graniten und noch schneebedeckten Flächen des Hochplateaus mit eindrucksvollen Aus- und Einblicken bis zum Meeresspiegel, in der Ferne.

Am "Busruhetag" machte ein Teil der Gruppe eine Wanderung zur Grotte "Tjuvhola", die nicht nur eine geologische, sondern auch eine mineralogische Bedeutung hat. Vor ungefähr 100 Jahren wurde dort Fluorit abgebaut und auch unsere "Besucher" fanden einige kleine Stücke.
Unterhaltsam wäre ein Ausflug mit dem alten holzgefeuerten Dampfer D/S Bjoren gewesen, aber der lag noch im Winterschlaf, da die Saison in Norwegen erst im Juni beginnt. Dafür erhielten wir von Olav Neset - ein Freund und Besitzer des nahegelegenen Campingplatzes - eine Einladung zu einer Rundfahrt mit seinem Motorboot, an der alle begeistert teilnahmen.

Hambre Mine in Bygland ist einer der vielen Kupferminen der Gegend, in der unter schwierigen Bedingungen Erz abgebaut wurde. Mittels langer Stahlseile wurde das Erz den extremen Steilhang bis zum See hinunter befördert. Dort auf der Halde konnten die Sammler blaue Sekundärmineralien, wie Chrysokoll und Biotit finden.


In der Flaat Nickelmine


Wir hatten die Gelegenheit, die Flaat Nickelmine zu besuchen und erhielten durch den Besitzer Reidar Kjetsaa eine humorig dargebrachte Führung unter Tage, bei der man seine Liebe und traditionelle Verantwortung für seine Heimat spüren konnte. Anschließend durften wir auf den Halden suchen und fanden Micromounts von Chalkopyrit, Pyrrhotin, Pyrit. und Nickelerz. Am frühen Nachmittag besuchten wir das Fennefoss Museum, das eine große Sammlung der lokalen Mineralien zeigt. Interessant waren die ausgestellten Gebrauchsgegenstände der Bevölkerung aus früherer Zeit und ganz besonders interessant waren die Gerätschaften der Madame Curie, die sie während ihrer Aufenthalte in Norwegen benutzte.

Nach unserer Rückkehr ins Hotel hatte die Gruppe die Möglichkeit, ihre gefundenen Mineralien von Paul bestimmen zu lassen und ausführlich geologische Zusammenhänge zu erfahren.


Paul bestimmt Fundstücke der Sammler

Am Tag darauf im Gemeindehaus der Kommune Iveland wird sehr gut dargestellt, welche Mineralien (nicht nur) in der später besuchten Grube Steli zu finden sind. Durch konsequentes Graben wurden schöne Stücke von gelbem Beryll und hellem Aquamarin gefunden. Besonders ergiebig waren die Funde von Almandin/Spessartin Granat, die durch zähes Arbeiten im Gestein geborgen werden konnten.

Am letzten Tag unserer Exkursion nahmen einige der Teilnehmer die Möglichkeit in Anspruch nochmals in der Landsverk 1 Mine zu suchen. Es wurden schöne und große Stufen von Quarzkristallen und Pyrit gefunden. Der Großteil der anderen Teilnehmer besuchte die Litjon Mine, in der Schriftgranit in verschiedenen Schriftgrößen in großem Umfang geborgen wurde. Am Eingang des Bruches wurde Amazonit, wenn auch ein wenig blass, gefunden.

Alles in allem war es eine beglückende und erfolgreiche Exkursion, für alle Beteiligten mit vielen schönen Funden, nicht nur von der Ausbildung allein, sondern auch von der Menge. Dazu spielte selbstverständlich das Wetter eine entscheidende Rolle, das uns Norwegen in guter Erinnerung hält. Schorsch hatte doch recht mit seiner Wetterprognose! Wir wurden fast 4000 km gefahren von unserem stets freundlichen Busfahrer Carsten, der uns so ganz nebenbei auch noch nach getaner Arbeit unsere trockenen Kehlen "schmierte".

Ein besonderer Dank auch an Paul, der uns unermüdlich sein Wissen und seine tatkräftige Hilfe zuteil werden ließ. Nicht vergessen auch eine großes Danke an Gerhard, der die Idee und Organisation dieser Reise hatte.
GLÜCK AUF
Ingrid Bode
Bilder Georg Erl