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Sie dreht sich doch
Ein Kugelbrunnen entsteht
Autor: Klaus Grasl
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| Wie jedes Jahr, wurden auch 2003 beim Treffen der Schleifergruppe
interessante Vorträge gehalten. Da das Jahr unter dem Motto des Kugelschleifwettbewerbs
stand (siehe Beitrag "eine runde Sache"), waren einige Themen speziell
darauf ausgerichtet. So erfuhren wir von Karl Fischer einiges über generelle
Fertigungsmöglichkeiten und Maschinen zur Kugelfertigung. Ebenso berichteten
Dr. Johann Wierer und Karl Kuttner über ihre speziellen Methoden und wie
sie Schritt für Schritt und teilweise über jahrelange Praxiserfahrungen
ihre Techniken verfeinerten und perfektionierten. |
Ein außergewöhnlicher Glücksgriff im Hinblick auf die Planung und Organisation
der Vorträge gelang Hrn. Zeitvogel (Vorsitzender der Schleifergruppe) in
der Gewinnung von Hrn. Wrede zu dessen Vortrag.
Hr. Wrede ist Fachlehrer an der Berufschule für Naturwerksteinmechanik(er)
in Eichstätt und erläuterte uns, nach welcher Methode seine Schüler
im Praxisteil des Unterrichts Kugeln fertigen. Darüber hinaus wurde aufgezeigt,
dass die gefertigten Kugeln nicht das Endprodukt sind, sondern in Weiterführung
ihre Vollendung erst im Kugelbrunnen finden. |
Im Märchen würde es an dieser Stelle lauten: " Da war es nun um ihn
geschehen ....."
Ganz so schlimm war es dann doch nicht, aber eine Idee war geboren
und irgend etwas ganz tief im Hinterkopf schrie ab jetzt unerlässlich "Kugelbrunnen!
Kugelbrunnen! Kugelbrunnen! ......." |
Manchmal lassen sich Ideen schnell umsetzen. Bei dieser aber war kein
Ansatzpunkt zu einer schnellen Realisation in Sicht. Weder das Ausgangsmaterial
für das Brunnengefäß, noch die nötigen Schneidevorrichtungen und Utensilien
waren in greifbarer Nähe. So blieb nur die Hoffnung, dass das Thema Kugelbrunnen
auf breites Interesse fiel und so als eines der Themen in der Planung der
Gruppenaktivitäten für 2004 Platz finden würde. "Gemeinsam wird's vielleicht
einfacher", waren so die Gedanken und möglicherweise kommt dann, bei dieser
Gelegenheit auch eine Exkursion zur Berufschule zustande. Wurde uns in
dem Vortrag nicht auch etwas erzählt von Einrichtungen, welche eine Schnittgeschwindigkeit
von 6-8 Metern pro Minute in 2-3 cm dicken Steinplatten ermöglichen. Alleine
solche Aussagen bringen einen Amateur an den Rand seiner Vorstellungskraft.
Darüber hinaus gab's da noch viele Mitbringsel von Hrn. Wrede, welche eine
große Bereicherung für unsere Weihnachtstombola darstellten. Möglicherweise
liegen da noch Reste herum, die niemand verwenden kann und welche vielleicht
auf günstigen Erwerb warten? |
Da kamen bei Nacht, ehe man´s gedacht.......
Nein, nicht die Heinzelmännchen..., sondern ein Anruf von Hrn. Zeitvogel
Mehr nebenbei wurde erwähnt, dass Hr. Wrede in Eichstätt einen VHS-Kurs
gibt bei dem es um die Bearbeitung von Natursteinen geht. "Eichstätt! das
sind ja mehr als 100 km von München aus", schoss es mir durch den Kopf,
"was soll ich den da?". Wen wundert's? - plötzlich war sie wieder da, die
Stimme, im Hinterkopf und schrie lauter den je "Kugelbrunnen!!! Kugelbrunnen!!!
Kugelbrunnen!!! ......." |
ich habe noch in der selben Stunde online via Internet gebucht und plötzlich
lichteten sich die Nebel welche die Umsetzung des Kugelbrunnens verschleierten.
Blieb nur noch die Ungewissheit, ob es denn auch möglich sei, im Kurs seine
Wünsche zu verwirklichen, oder ob es ein starres Programm geben würde.
Nicht so wichtig, denn schließlich steht im Kursprogramm etwas von Nudelbrett.
Weihnachten war in sichtweite und nichts leichter als so ein Nudelbrett
zum Keksbrett umzufunktionieren. Beim nächsten Treffen der Gruppe noch
ein bißchen Werbung betreiben - das Schlimmste , was jetzt noch passieren
könnte wäre, dass der Kurs wegen zu geringer Teilnehmeranzahl abgesagt
werden würde - und dann warten, warten, warten ......... |
Eichstätt:
| Alle Bedenken waren sofort ausgeräumt. Nachdem wir (von der Münchner
Schleifergruppe waren 4 Leute anwesend) mit den anderen Teilnehmern von
Hrn. Wrede in Empfang genommen wurden, stellte er auch gleich die alles
entscheidende Frage: Was wollt ihr machen? |
und 3 riefen:
Kugelbrunnen! Kugelbrunnen! Kugelbrunnen! |
Blick in die Werkstatt:

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| Die große Schneidemaschine:

Sie ist CNC gesteuert und erreicht Schnittgeschwindigkeiten bis zu 10
Meter pro Minute. Mit ihr ist es auch möglich, runde Platten zu schneiden.
Dabei bleibt das Oberteil an einer Stelle positioniert, mit Vorschub nach
unten und der Tisch (unter Staunen aller, die so etwas noch nie zu Gesicht
bekommen haben) rotiert. |
Soweit war es aber noch nicht. Im ersten Schritt wurden uns von Hrn.
Wrede nochmals einige grundlegende Dinge erklärt wie:
Verhältnis Kugel zu Brunnengröße,
Eintauchtiefe zu Kugeldurchmesser, Verhältnis von zur Verfügung stehender
Zeit zu Vorhaben und somit der kleine Hinweis, dass die Zeit für einen
kompletten Kugelbrunnen sehr wahrscheinlich nicht ausreicht. Außerdem wurde
uns nahegelegt, für das Brunnengefäß weichen Stein (Kalk etc.) zu verwenden,
da die Aussichten auf ein zeitliches Gelingen um so geringer werden, je
härter der Stein ist. |
Wir wollten es trotzdem versuchen. Schließlich könnten wir fehlende
Arbeitsschritte mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu Hause nachholen. |
| Zum Auftakt wurden wir von Hrn. Wrede durch das Steinlager der Berufschule
geführt. Dabei klärte er uns über die verschiedenen Steinarten und deren
Besonderheiten auf. Darüber hinaus wurde uns freie Auswahl auf das vorhandene
Material angeboten. |
Angesichts des befürchteten Zeitmangels entschlossen sich die Kugelbrunnenbauer
dazu, das Brunnengefäß aus einem Kalkstein zu fertigen. Nach Sichtigung
des Steinlagers, entschieden wir uns für einen Eichstätter Plattenkalkstein.
Material davon stand in bereits 2cm dicken vorgeschnittenen Platten zur
Verfügung. So ersparten wir uns den ersten Arbeitsgang und konnten mit
dem Zurechtschneiden der Seitenteile beginnen. |
Der Länge nach wurden die Seitenteile auf der großen Löffler (Abb.
2) zurechtgeschnitten. Für die Breitseite wurde die kleinere Schneidemaschine
verwerdet (Abb. 3).

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| Im nächsten Schritt wurden die Breitseiten mit einer 45 ° Gehrung versehen
(Abb. 4) -

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und natürlich auch kontrolliert (Abb. 5).

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Dann ging es ans Verkleben von jeweils 2 Seitenteilen. Da es auch hierbei
zu Fehlern kommen kann, wurden wir von Hrn. Wrede fachkundig darin eingewiesen.
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| Die verwendeten Kleber sind in Abb. 10 zu sehen. Es wurde dünnflüssiger
und dickflüssiger Kleber gemischt, bis die Konsistenz etwa dem von dickfließendem
Honig entsprach. Danach wurde Härter zugefügt und mit dem Kleber gut vermengt.
Eile bei der Anwendung ist geboten, denn sobald sich kleine Knötchen bilden,
beginnt die Aushärtung des Klebers und er kann nicht mehr verwendet werden. |
Willi und Manfred in Aktion:

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Beim Verkleben der Seitenteile müssen diese sowohl horizontal (Abb.
8) wie auch vertikal (Abb. 9) genau im 90° Winkel ausgerichtet werden.
.
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Zwei verklebte Seitenteile und der verwendete Kleber:
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Es folgte das Verkleben der Seitenteile 3 und 4, das Zurechtschneiden
der Bodenplatte (diese sitzt innen Abb. 11) und das Verkleben der Seitenteile
mit der Bodenplatte.
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und dann sieht es so aus:
Überschüssiger Kleber wurde noch in nicht ausgehärtetem Zustand entfernt.
Die geschah stellenweise unter Zuhilfenahme von Verdünnungsmittel.
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| Während der Aushärtungszeit von ca. 1 bis 2 Stunden konnten die Brunnenplatte
und die ebenfalls benötigten Stützpfeiler gefertigt werden. Zur Verwendung
kam wiederum Eichstätter Plattenkalkstein, wobei die Dicke für die
Brunnenplatte 5cm betrug. |
Nach dem Zuschneiden der Stützpfeiler wurden diese auf der Bandschleifmaschine
nachbearbeitet (Abb. 12).
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In Abb.12 ist auf der linken Seite einer der beiden großen Wasserfilter
zu sehen. Schleifarbeiten wurden möglichst nahe an ihnen ausgeführt, um
die Staubentwicklung einigermaßen in Grenzen zu halten. |
| Willi beim Einsetzen der Stützpfeiler:
Diese wurden, wie die Seitenteile, ebenfalls geklebt.
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Von Hrn. Wrede kam dazu wieder der entscheidende Hinweis, dass durch
3 Stützen (im Gegensatz zu 4) die Gefahr des Wackelns der Brunnenplatte
vermieden werden kann. Abb. 29 zeigt den Brunnen mit Stützpfeiler.
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Zu Abb. 12 bleibt noch zu erklären:
Natürlich bestand auch bei den anderen Kursteilnehmern Interesse an
unserer Arbeit. Es kommt wohl nicht oft vor, dass sich Münchner zu einem
VHS-Kurs nach Eichstätt verirren. Darüber hinaus noch mit dem Ansinnen
einer Kugelbrunnenfertigung. Das führte notgedrungen zu Erklärungsbedarf,
welcher aufgrund des Gehörschutzes und vorhandenen Lärms nicht immer leicht
zufriden zu stellen war. |
| Im nächsten Schritt wurden die Seiten des Brunnengefäßes mit Schleifscheiben
der Körnungen K100, K200 u. K400 verfeinert. |
Der letzte Schritt: Das Brunnengefäß wird innen mit einem silikonhaltigen
Mittel eingelassen. Dadurch wird einer möglichen Wasserdurchdringung durch
Fugen und Steinporen vorgebeugt.
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Nach dem letzten Schritt darf das Brunnengefäß innerhalb 48 Stunden
nicht mit Wasser in Berührung kommen, da es in diesem Fall zu einer
schadhaften Reaktion mit dem Silikon kommen kann. |
| Bilder am Rande: |
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Frau Alt beim Abrichten einer Platte:

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Ein Obelisk entsteht:
. 
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Es konnten auch diverse Findlinge geschnitten werden:
Der Dolomit (li.) ist ein Fundstück aus der Kundler (Tirol) Umgebung. Zu
erkennen sind blaue Flecken aus Kupfersekundärmineralien.
Der Nummulit (re.) ist Fundstück aus dem Inngeröll |
Abschlussbemerkung zum VHS-Kurs:
Meinen ganz besonderen Dank möchte ich hier an dieser Stelle Herrn
Wrede aussprechen. Uns allen hat es sehr imponiert, mit welcher Ruhe, Gelassenheit
und Engagement er auf die unterschiedlichsten Wünsche der einzelnen Teilnehmer
eingegangen ist und versucht hat, diese zu erfüllen. Wir waren uns alle
einig: Der nächste Kurs wird wieder mit uns stattfinden! |
Wer Näheres zur staatlichen Berufschule in Eichstätt erfahren möchte
kann dies unter:
http://www.berufsschule-eichstaett.de
Näher zur Ausbildung zum Naturwerksteinmechaniker(in) gibt es auf den
Seiten des Bundesinstitut für Berufsausbildung unter:
http://www.bibb.de/redaktion/aweb/2003/naturwerk.htm |
weiter ging es in Heimarbeit:
eine kleine Aufstellung der Aufwände:
| Aufwand |
Zeit |
Kosten |
Entfernung |
Fahrt nach Kundl und retour für Kugelgrundmaterial
(Es wurden 3 brauchbare Steine gefunden, darum wird von den Aufwänden
nur ein Drittel gerechnet. |
3 Stunden /3 = 1 Stunde |
10 € Sprit |
2x120km /3 = 80km |
| Suche des Steins /3 |
4,5 /3 = 1,5 Stunden |
.. |
.. |
| VHS Kurs Eichstätt |
3+7 = 10 Stunden |
24 € Kursgebühr |
.. |
| 2x Fahrt nach Eichstätt und retour |
4x1,5 = 6 Stunden |
53 € Sprit |
4x107 km = 428km |
| Bearbeitung Brunnenloch |
1,5 Stunde |
... |
... |
| Bearbeitung Kugel |
8 Stunden |
18 € Sprit |
2x70 km = 140km
(Maschinen zur Bearbeitung der Kugel von Hrn. Zeitvogel aus Ingolstadt
holen und zurückgeben) |
| Pumpe |
... |
20 € |
... |
Gesamt
|
28 Stunden
|
125 €
|
648 km
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Resümee:
Die Kosten des Kugelbrunnens belaufen sich auf 125€. Nicht gerechnet
wurden die Fahrzeugabnutzung durch die angefallenen 648km Fahrstrecke,
Kosten für benötigte Maschinen bzw. deren Abnutzung, diverses Schleifzubehör
und dessen Abnutzung sowie der zeitliche Aufwand.
Die ganze Aktion hat mindestens 28 Stunden Freude bereitet. 125€/28Stunden
entspricht einem Kosten Funfaktor von ca. 4,5 € pro Stunde. Wenn man bedenkt,
wieviel man für eine Stunde Vergnügen bereit ist andersweitig Geld auszugeben
(Kino, Theater, Shopping .... oder noch Exklusiveres) wars ein wirklich
günstiges Unterfangen. |
Anfragen können gestellt werden an den Vorsitzenden der Schleifergruppe:
Heinrich Zeitvogel
Scheffelstr. 11
D-85055 Ingolstadt
Tel.: 0841-956193
Fax: 0841-920133
e-mail
Last update 02.02.2004
Münchener Mineralienfreunde e.V.,
Münchener Straße 23,
85540 Haar
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