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Die Micromounter

Die Schönheit der Mineralien kommt am eindrucksvollsten in den kleinsten Exemplaren zur Geltung. Diese Micro-Kristalle zu sammeln und zu montieren ist ein faszinierendes und befriedigendes Hobby. Die scharfe Beobachtungsgabe des Wissenschaftlers kombiniert mit dem feinen Auge und Gespür eines Künstlers bietet unendliche Möglichkeiten der Selbstdarstellung des Sammlers.

Wie können wir den Begriff "Micromount" definieren?
Es ist ein natürliches Exemplar eines Minerals, vorzugsweise deutlich kristallisiert, dauerhaft befestigt, richtig beschriftet und benötigt eine optische Vergrößerung zur sinnvollen Betrachtung.

Das Wort "mount" ist dabei abgeleitet von "montieren", nicht von dem Begriff "Mount = Berg".

Desweiteren sind davon zwei zusätzliche Begriffe abgeleitet, der "Micromount Sammler", also jemand der durch Tausch oder Kauf fertige Micromounts sammelt und der "Micromounter", der selbst vor Ort sammelt, formatisiert und diese Exemplare montiert, bestimmt und beschriftet. 
Im Unterschied zum Sammler muß schon hervorgehoben werden, daß der Micromounter aktiv die Gestaltung der Micromounts beeinflußt, ihnen seine persönliche Note aufprägt und somit auch eine ästhetische Verbindung zum Hobby schafft. Allerdings sollte immer als ethischer Grundsatz dienen:

Zerstöre niemals eine ästhetische oder wissenschaftlich wertvolle größere Stufe um ein Micromount zu machen!

Desweiteren besteht eine enge Beziehung des Micromounters zur Wissenschaft. Der wissenschaftliche Mineraloge hat neben seiner täglichen Arbeit wie Schreibarbeit, Lehr- oder Museumstätigkeit wenig Zeit Mineralien zu sammeln. Der Amateur sucht neue Fundstellen, findet unter Umständen unbekannte Arten und untersucht oft zusammen mit dem Wissenschaftler diese und führt sie einer Beschreibung zu. Die Bestimmung eines neuen Minerals, seine chemische Zusammensetzung und Formel, seine Registrierung als offizielles neues Mineral kann nur der Wissenschaftler durchführen. Dies übersteigt die Möglichkeiten des Micromounters . Eine Symbiose beider ist fruchtbar und erstrebenswert.Es gäbe viel zu sagen über sammeln, formatisieren, montieren, bestimmen, beschriften und katalogisieren. Dies würde den derzeitigen Rahmen sprengen; vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt an gleicher Stelle.

Arten von Sammlungen

Im Gegensatz zu wissenschaftlichen Sammlungen hat der Micromounter wesentlich mehr Möglichkeiten seine Sammlung individuell und ästhetisch zu gestalten. Eine Stufe kann wissenschaftlich äußerst wertvoll sein, aber nicht zwingend attraktiv. Hier gelten andere Gesetze. Die MM  Sammlungen spiegeln die Individualität des Einzelnen wieder.

Als Hauptarten seien kurz genannt:

- Die Systematik-Sammlung 

Das Ziel dieses Sammlung-Typus ist die Vollständigkeit. Von den derzeit über 3500 bekannten Mineralien soll mindestens ein Belegstück vorhanden sein. Diese Sammlung ist meist wenig attraktiv, da von vielen Arten keine schön kristallisierten Stücke erhältlich sind, oder überhaupt existieren, und enthält viele derbe Stücke. Da dieser Sammler nach Vollständigkeit zielt, ist die Gefahr von Frustration durch Nichterreichen des Ziels sehr groß.

- Die ästhetische Sammlung

Diese Sammlungsart hat den geringsten wissenschaftlichen Wert, obwohl sie unter Umständen hervor-ragende Stufen für Illustrationen bietet. Der Sammler setzt sich selbst individuelle Vorgaben und bestimmt für sich die Definition "Ästhetik der Stufen" und stellt diese nach seinen Gesichtspunkten aus.

- Die Fundstellen Sammlung

Ziel dieser Sammlung ist die vollständige Darstellung der Mineralien dieser speziellen Fundstellen. Dabei hat der MM Sammler die Freiheit, diesen Begriff "Fundstelle" für sich selbst festzulegen. Es kann ein Aufschluß, ein Bezirk, ein Länderteil oder im weitesten Sinn ein Land sein. Abhängig von seinen Zielen und Möglichkeiten legt er dies fest. Die Gefahr ist groß, daß er bei zu großzügiger Auslegung in den Typus "Systematik" verfällt und dadurch an Qualität verliert. Es gibt hervorragende Fundstellen-Sammlungen mit äußerst hohem wissenschaftlichen Wert, die exakt die Mineralogie und Paragenese einer Stelle beschreiben.

- Sammlung einer Mineralienart

Diese Sammlung enthält nur eine Mineralienart (z. B. Quarz, Calcit ...), aber diese in jeder Ausbildung, Farbe oder Verbindung mit anderen. Selbstverständlich ist es wiederum möglich, diesen Typus mit den vorherigen zu verknüpfen. 

- Sammlung nach individuellen Gesichtspunkten

Als Thema einer Sammlung kann nahezu unbeschränkt viel dienen. Beispiele wären chemische oder physikalische Gesichtspunkte oder auch z. B. Einschlüsse.

Es ist offensichtlich, daß der Aufbau einer Sammlung unbegrenzte Möglichkeiten bietet, die Individualität des Einzelnen zu repräsentieren. Nur die Realisierung mit "Schaustufen", also Stufen die man ohne optische Hilfsmittel sehen kann und deren Äußeres ansprechend ist, ist raumintensiv, kostspielig und somit oft nicht erschwinglich. Hinzu  kommt, daß der Sammler meist nicht den Zutritt zu in Betrieb befindlichen Minen hat; das Erlebnis des selbst Findens fehlt. Er kann "nur" kaufen.

Da hat der Micromounter wesentliche Vorteile. An vielen Stellen im Gelände kann er noch hervorragende Stufen finden, selbst wenn ein Abbau seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten eingestellt ist. Die eigenen Fundmöglichkeiten sind ungleich größer und die persönliche Beziehung zu einer selbstgefundenen Stufe ist ein wesentlicher Teil der Befriedigung, die das Hobby bietet.
Die räumliche Unterbringung einer Micromount-Sammlung ist ein vernachlässigbares Problem. Auf kleinstem Raum sind Tausende von Stüfchen unterzubringen.
Die Bestimmung der gefundenen Stufen ist ungleich schwieriger und anspruchsvoller als von Großstufen und setzt eine intensive Beschäftigung mit dem Sammlungsgebiet voraus. Da chemische oder physikalische Bestimmungsmethoden wegen der Kleinheit meist entfallen, ist nur über die Kenntnis der Kristallformen , der Fundstelle, der Paragenese eine Bestimmung möglich. Oft ist dies auch nicht ausreichend. Hier kann nur der Wissenschaftler weiterhelfen, der dazu ganz andere Hilfsmittel einsetzen kann. Die Flut der neuen Mineralien und Erkenntnisse in den letzten Jahren ist unter anderem auch den Micromountern zu verdanken.

Micromounter zu sein ist ein faszinierendes Hobby und bietet unbegrenzte Möglichkeiten zur Verwirklichung des eigenen Ichs. Ihm erschließt sich eine ungleich größere Welt der Mineralogie, da viele der Mineralien ausschließlich in Kleinststufen vorkommen und somit anderen Sammlern für immer verschlossen und "unsichtbar" sind.

Die Münchner Micromounter sind eine Untergruppe des Vereins "Münchener Mineralien Freunde e. V."

Anfragen senden Sie bitte an:
Peter Köhlen
Schießstattstr. 32
D-85253 Erdweg - Kleinberghofen
08254-1373, Fax: 08254-7995398
e-mail: Peter Köhlen

Last update 06.11.1997

Der PC-Workshop bedankt sich bei Peter Köhlen ganz herzlich für diese tollen Ausführungen. :-))

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