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Münchener
Mineralienfreunde
e.V.
Verein zur Förderung der Geowissenschaften, MM e.V. Schriftführung Ingrid Bode Ideeller Träger der Frühjahrsmesse und der Geofachmesse Mineralientage München |
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Reisebericht Sardinien November 1997Wenn in Bayern der Goldene Oktober zu Ende geht, in den nahen Bergen bereits der erste Schnee gefallen ist, oder einen einfach das Sammlerfieber auf den Münchener Mineralientagen erwischt hat, dann ist es Zeit, etwas zu unternehmen. Auf Sardinien die angenehme Sonne genießen und so nebenbei die Sammlung mit Eigenfunden ergänzen, ist sicher nicht falsch.
Von München aus, über den Brenner Richtung Modena, Bologna, Firenze bis Livorno via Autobahn und
von da ab weiter an der Küste, erreicht man die Industrie- und Hafenstadt Piombino in ca. 9 Stunden.
Die Autofähre Piombino - Olbia legt um 22.30 Uhr ab, die Überfahrt dauert ca. 8 Stunden.
Auf dem Fährschiff, welches einfach ausgestattet ist und überwiegend von Berufskraftfahrern genützt
wird, bekommen wir ein schmackhaftes und kräftiges Menü zu einem soliden Preis.
Es dämmert bereits, eine milde Brise, sternenklarer Himmel, keine Wolke trübt den Himmel.
Doch - unser Benzintank ist fast leer und die nächstgelegene Tankstelle am Hafen ist noch
geschlossen. In der Bar gegenüber erfahren wir, der Tankwart wird jeden Moment kommen,
und so frühstücken wir gleich hier - Cappuccino, Cola und Pannini con Salami -.
Der Barmann palavert mit dem Gast neben uns. Aus der Hosentasche des blauen Overalls hängt ein
schwarzer öliger Lappen, als er bezahlt wirft er uns einen kurzen dunklen Blick zu.
Ein "Sardischer Räuber"? Nein. Er wechselt die Straßenseite, sperrt das Tankstellenhäuschen auf
und dreht das Schild um - aperto-.
Wir verlassen Olbia in Richtung Sassari mit dem Ziel Osilo, unsere erste Fundstelle.
Kurvenreiche Straßen schlängeln sich durch die Bergwelt der Gallura und Anglona.
Zwischen den mächtigen, von Wind und Wetter geschaffenen Granitkuppen hat sich in den
Tälern noch der dichte morgendliche Nebel festgehängt. Korkeichenwälder mit den rot
geschälten Stämmen wechseln mit Olivenhainen und Rebhängen. Dazwischen weiden auf den
jetzt saftig grünen Wiesen inmitten eines Blütenmeeres Schafe und Ziegen.
Nach etwa 2 Stunden geht es ein vorerst letztes mal bergauf.
Zwei aufgelassenen Trachyt-Steinbrüchen gilt unser Interesse. Der eine, etwas höher gelegene,
befindet sich direkt unter der örtlichen Radarstation, der andere, tiefer gelegene, an der
Staatsstraße nach Sassari kurz nach dem Ortsende.
Am Abend, ohne Mittag- und Kaffepause durchgearbeitet, die Ellenbogen aufgeschürft, ein Finger
bläulich, weil man den Meißel nicht immer genau trifft, staubig, schmutzig und verschwitzt und
mit einem unbeschreiblich zufrieden strahlenden freudigen Gesichtsausdruck, das sind typische
Symptome für das Sammlerfieber, bewundern wir unsere Schätze.
In Osilo selbst gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit. In der nahen Provinzhauptstadt Sassari finden wir nach kurzem Suchen eine Pension, welche uns aufnimmt. Dusche und frische Kleidung machen aus uns wieder Menschen. Bei dem abendlichen Bummel durch die Stadt, laden Albergos, Restaurants und Pizzerias zum Essen und anschließenden Gutenachttrunk ein.
Der neue Tag gehört dem tiefer gelegenen Bruch bei Osilo, nachdem wir eine als geeignet
erscheinende Stelle an den steilen Wänden entdeckt haben, geht es an unser Tagwerk.
Wir arbeiten bis Mittag und sind ähnlich erfolgreich wie gestern.
Die Quarze hier sind braun, rauchig und gelb. Daneben finden wir verschiedene Zeolithe,
welche als Stilbit und Heulandit bestimmt werden.
Bosa, ein kleines verschlafenes Städtchen, ist das heutige Tagesziel. Enge Gassen und die Lage am Meer sorgen jetzt im November noch für laue Abende. Gerne verweilt man hier in einem der Straßencafes, um das Flanieren und lebhafte Treiben auf den Straßen bei einem Glas Wein zu genießen.
Weiter auf der SS 292 und SS 131 von Bosa über Cuglieri durch Oristano in Richtung Cagliari
erhebt sich im Osten unübersehbar der Monte Arci, ein erloschener Vulkan.
Bei Uras biegen wir von der SS 131 ab und fahren direkt auf den Berg zu, um nach einigen
Kilometern in einen unbefestigten Feldweg einzubiegen. Hier lassen sich mühelos in kurzer Zeit
auf den umliegenden Feldern Obsidiane auflesen. Die Stücke sind von unterschiedlicher Größe,
wir finden einige knapp 2 kg schwere Brocken an Rändern der Äcker.
Erst nach Einbruch der Dunkelheit erreichen wir heute auf kurvenreichen und zeitaufwendigen Bergstraßen über Guspini, Fluminimagiore und Iglesias die alte Bergbaustadt Nebida. Aus einzelnen Regentropfen ist inzwischen ein Wolkenbruch geworden. Das örtliche Ristorante hat geschlossen, Hotels oder Pensionen gibt es nicht. Wir gehen erst einmal in die einzige geöffnete Bar, um uns zu stärken. Als wir uns als Mineraliensammler zu erkennen geben, bringen einige Ortsansässige Kisten mit Calcit und Aragonitstufen und bieten uns diese zum Kauf an. Auch die Unterbringung in einem derzeit nicht bewohnten Haus wird arrangiert. Ergänzend sei darauf hingewiesen, der Preis für die Steine und ebenso für das Nachtquartier in einer Hütte erscheinen uns übertrieben. Es gibt sie also doch noch, wenn auch nur sehr selten und vereinzelt, die "Räuber" auf Sardinien.
Der nächste Morgen beschert uns einen grauen wolkenverhangenen Himmel und es weht
ein kräftiger Wind, aber es regnet nicht mehr, und so starten wir zu unserer
letzten Fundstelle auf der Insel, Sa Duchessa.
Den letzten Urlaubstag verbringen wir in Iglesias. Kaufen in den zahlreichen Geschäften noch das eine und andere und genießen in einem der Straßencafés noch einmal die Sonnenstrahlen und angenehm warmen Temperaturen. Thomas Stuhrmann
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